Spekulation: Es muss für junge deutschsprachige Songwriter mittlerweile einen Sprachwürfel geben. Eine Art Scrabble, ein Baukastenset für gefühlige Texte. Darin fallen dann Worte wie: Moment. Zeit. Worte. Du. Ich. Herz. Verlieren. Gefühle. Liebe. Angst. Leben. Lachen. Weinen. Traum. Augen. Einer der derzeit fleißigsten Scrabbler ist der 22-jährige Tiemo Hauer, der aus all diesen erfolgsversprechenden Zutaten und ein bisschen Rockmusik sein eigenes Koordinatensystem zusammensetzt. Mit "Für den Moment" veröffentlicht er nun sein zweites Album.
Wahrheit: Ja, Tiemo Hauer ist einer dieser jungen deutschsprachigen Songwriter, von denen seit rund zwei Jahren alle reden. Einer, der sich perfekt neben Tim Bendzko, Andreas Bourani und Johannes Oerding einreiht. Denn auch Hauer hat Talent und sieht gut aus, wenn er lächelnd mit seinen blonden Locken auf der Bühne steht oder sitzt und vom Leben singt. Und mit "Für den Moment" muss er sich den Vergleich mit den neuen deutschen "Schmerzensmännern" auch gefallen lassen.
Auf Hauers neuem Album regiert die Introspektive. Die 15 Songs sind allesamt Balladen, geschrieben und gespielt auf Klavier und/oder Gitarre. Sie heißen "Warum?", "Sag's mir" oder "Eigentlich" und drehen sich um Hauers junge Welt. Das ist nicht schlimm, manchmal schön, vergleichsweise reif ("Die Kapelle") und für einen Liedermacher ganz natürlich. Den entscheidenden Schritt heraus geht er leider nicht.
"Letzter Akkord", in puncto Instrumentierung und Arrangement das markige Herzstück des Albums, ist dafür beispielhaft: Hauer versucht sich an Zustandsbeschreibungen von Lebensentwürfen, also am Blick auf die Anderen, um am Ende wieder doch in sich zu schauen. Aber gut: Damit kann man bestimmt tierisch gut Mädchen und Hartmut Engler rumkriegen.
Eine Handvoll der Balladen - und das ist Hauers größter Pluspunkt - haben er und seine Band in Rockkostüme gesteckt. "Wer? Ich! Bin" etwa schindet auf Stadtfesten und in Mehrzweckhallen bestimmt Eindruck, und in der etwas flotteren Nummer "Angestrahlt" steckt dann sogar ein bisschen von der Aufbruchsstimmung drin, die man bei all der vorausgegangenen Introspektive so vermisst. Hier und da wirkt das noch aufgesetzt. Aber am Ende der 52 Minuten und nach ein paar Dylanschen Harmonika- und Akkordeon-Einsätzen bleibt immerhin der Gedanke: Könnte noch was werden aus dem Tiemo. Für seine Fans und die Zielgruppe ist er längst ein kleiner Star geworden. Vielleicht auch weil er, wie in "Alles vergeht", sich und seine Songwriter-Generation bestens auf den Punkt bringt: "Ich habe einige Lieder über die Liebe geschrieben, aber außer der Lieder ist nichts übrig geblieben", heißt es darin.
Tiemo Hauer auf Deutschland-Tournee:
27.10., Trier, Exil
28.10., Frankfurt, Gibson
02.11., Hannover, Capitol
03.11., Berlin, C-Club
04.11., Nürnberg, Hirsch
08.11., Heidelberg, Karlstorbahnhof
09.11., Münster, Sputnikhalle
10.11., Bochum, Zeche
16.11., Hamburg, Übel&Gefährlich
17.11., Bremen, Schlachthof
23.11., München, Feierwerk
24.11., Dresden, Beatpol
30.11., Osnabrück, Rosenhof
01.12., Köln, Bürgerhaus Stollwerk
02.12., Stuttgart, LKA
Fabian Soethof
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | akzeptabel |
| CD-Titel | Für den Moment |
| Bandname/Interpret | Tiemo Hauer |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop/Songwriter |
| Erhältlich ab | 08.06.2012 |
| Label | Green Elephant |
| Vertrieb | Soulfood |
| Laufzeit | 51:33 |
| EAN Code | 4260204440194 |



