Dexys Midnight Runners, 1978 in Birmingham gegründet, waren die meiste Zeit das diktatorisch verwaltete Projekt des Sängers und Gitarristen Kevin Rowland. Als "größten Übertreiber des Souls" bezeichnet der Label-Infotext zur neuen Platte sehr treffend jenen Mann, dessen ständig jauchzende, vibrierend überschwappende Soulstimme Anfang der 80-er Mega-Hits wie "Come On Eileen" oder "Geno" schmetterte. Die ersten beiden Alben der Band, "Searching For The Young Soul Rebels" (1980) und "Too-Rye-Ay" (1982) gelten als große Meilensteine des Pop. Mit einer Mischung aus Soul-Revival, Wave-Nervosität und explizit linker Gesinnung sang der spindeldürre Lockenkopf Rowland gegen Thatcherismus und andere Genügsamkeiten des Lebens. Das Erstaunliche - auch 2012 kann man mit der gereiften Variante dieses Eigenschaftenbündels noch etwas erreichen, wie "One Day I'm Going To Soar" zeigt.
Als die vielfach umgruppierte Band 1985 nach dem verkannten Album "Don't Stand Me Down" das Zeitliche segnete, verschwand auch Rowland, der kleine Mann mit dem großen Ego, in der Versenkung. 1999 veröffentlichte er ein Album mit Coverversionen ("My Beauty"), das man getrost zu den großen unentdeckten Meisterwerken des Pop zählen darf. Die mit geradezu unfassbarer emotionaler Wucht gesungene Platte floppte beispiellos, ihr Cover zierte ein Cross-Gender-Rowlands in brustfreiem Kleid und Strapsen. Ihr Protagonist wurde seinerzeit bei Festivals beschimpft und mit Bierdosen beworfen.
2012, ein Jahr vor seinem 60. Geburtstag, hat sich Rowlands erholt und Teile der alten Band unter dem verkürzten Namen Dexys zusammengerufen. Das Ergebnis ist immer noch ein Soul der etwas anderen Art. Rowland, dürr wie eh und je, das Gesicht verknitterter und mit weniger Haar versehen, transportiert seine Songs über die Einsamkeit des Mannes mit einer tieferen, gereiften Stimme, die aber zu jeder Zeit als sein Markenzeichen zu erkennen ist. Inspiriert wurde das Werk von Frank Sinatras Song-Zyklus "A Man Alone" und Marvin Gayes Scheidungs-Werk "Here, My Dear". Unter den ganz großen Gefühlen macht es der keltische Soul-Maniac eben nicht. Die zum Teil um die sieben Minuten langen Songdramen besitzen dabei eine Art Session- oder Werkstatt-Charakter. Sie sind gefüllt mit Monologen und Gesprächen, sie stoppen und setzen wieder an, sind zwischendurch auch mal ganz normale Popmusik mit Retro-Touch.
Unterm Strich ein beachtliches Comeback, dass nebenbei daran erinnert, weshalb Pop heute nicht mehr jene gesellschaftliche Relevanz erreicht wie zur Frühzeit der Dexys Midnight Runners. Es fehlt eben auch an Talenten mit der Dringlichkeit und dem Wahnsinn eines Kevin Rowland.
Eric Leimann
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | One Day I'm Going To Soar |
| Bandname/Interpret | Dexys |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Soul/Pop |
| Erhältlich ab | 15.06.2012 |
| Label | Buback |
| Vertrieb | Indigo |
| Laufzeit | 56:38 |
| EAN Code | 4047179677127 |



