Das Ganze ist natürlich clever. Denn - mal ganz ketzerisch gesagt: Ohne die Panda-Maske und das Versteckspiel hätte der Rummel um den Stuttgarter Rapper Cro sicher nicht diese Ausmaße angenommen. Von "Bild" bis "Heute-Journal", von Rap-Magazinen bis zur Hochglanzpresse wollten alle schon im Vorfeld seines Debütalbums "Raop" wissen, wer hinter dieser Maske steckt. Und ob ein eher durchschnittlicher Anfang Zwanzigjähriger, ein gelernter Mediendesigner namens Carlo Waibel ähnliche Aufmerksamkeit erlangt hätte? Wohl kaum. Andererseits: 900.000 Facebook-Fans wollen nicht nur wissen, wer dieser Typ eigentlich ist. Nein, Cro trifft - und das wird mit "Raop" endgültig klar - auch musikalisch gerade den Nerv der Zeit.
Denn ja, die Sache mit der Panda-Maske ist natürlich clever. Natürlich auch weil jeder zunächst an Sido denkt. Und Cro weiß die musikalischen Leistungen des Aggro-Raps der Berliner Schule zu schätzen, wie er in Interviews erklärt.
Aber auch der Stuttgarter hat erkannt, dass sich das Gangsta-Rüpel-Prinzip, mit dem Sido und Bushido einst Kasse machten, inzwischen totgelaufen hat. Abgesehen davon: Carlo Waibel alias Cro ist eben ein Junge aus dem Mittelstand, muss und kann gar nicht über seinen "Block", die Trostlosigkeit von sozial schwachen Vierteln rappen. Er ist jung, hat ein unbeschwertes Leben, eine breite musikalische Sozialisation - und scheut sich nicht, Rap und Pop zu einem Bastard namens "Raop" zu fusionieren.
Ja, seine Sache ist auch musikalisch clever. Cros Motto ist: Rap - aber nicht nur. Nach einem ähnlichen Prinzip rockte sich Rapper Casper mit Hardcore-Elementen vor genau einem Jahr auf Platz eins der deutschen Charts. Im Gegensatz zu seinem etwas älteren, nachdenklicheren Konkurrenten aus Bielefeld hat der Stuttgarter Jungspund aber schlicht eine "Geile Zeit". Wo bei Casper "Der Druck steigt", lässt Cro jeglichen (Erfolgs-)Druck raus. Er ist der "King Of Raop" - ganz einfach "der Typ, der nicht überlegte, sondern machte."
Und er macht das clever: Das millionenfach gekaufte und geklickte "Easy" arbeitet mit dem zwar schon oft verwursteten, aber immer gerne gehörten Sample aus Bobby Hebb Hit "Sunny". Auch der Rest von "Raop" funktioniert ähnlich: Eingängige Pop-Melodie, sonniges Westcoast-HipHop-Feeling - und Texte über jetzige und vergangene Liebe(n) ("Du", "Nie mehr"), Identitätssuche ("Wie ich bin") und die Selbstbestätigung als Außenseiter ("Genau so"). Dinge, die ihn und seine Generation eben beschäftigen. Gut: Tiefschürfend ist das nicht. Aber teilweise wirklich schön - und auf jeden Fall schön clever.
Stefan Weber
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | Raop |
| Bandname/Interpret | Cro |
| Genre | Hip Hop/Rap |
| Genre | HipHop |
| Erhältlich ab | 06.07.0012 |
| Label | Chimperator |
| Vertrieb | Groove Attack |
| Laufzeit | 37:55 |
| EAN Code | 4018939226596 |



