Musik / CD

Beak>: >>Schneller Vorlauf

Portishead-Mann Geoff Barrow liebt das Unberechenbare. Der Klangtüftler der zwischen Trip Hop und Freistil agierenden britischen Band remixt, nimmt auf, improvisiert und perfektioniert. Manchmal über Jahre, manchmal nur für den Moment. Mit seinen beiden Portishead-Mitstreitern Beth Gibbons und Adrian Utley beherrscht Barrow diesen Ansatz bis zur Perfektion. Mit seinem Nebenprojekt Beak> lebt er genau die gleichen Grundsätze aus, nur dass hier - im Vergleich zu Portishead - wirklich jegliche Konventionen beiseite gelegt werden. Ihr selbst betiteltes Debüt belegte das vor gut zweieinhalb Jahren eindrucksvoll, der Nachfolger ">>" ist diesbezüglich nicht ganz so konsequent.

Denn die harsche Entrücktheit der mäandernden Schleifen - und der in sich langsam kollabierenden Sinuskurven auf dem grün schimmernden Oszillator, den man vor seinem geistigen Auge konvulsivisch zu den Sounds von Beak> zucken sieht - ist einer strukturierten Referenzierungswut gewichen. Die einst zitierten Krautrock-Referenzen Faust, Can und Neu! werden nicht wieder zwischen all den karg dröhnenden analogen Verweigerungen plattgewalzt, sondern lassen sich dieses Mal auch gezielt erahnen. Nein, auf dem zweiten Album ">>" geht das Trio nicht konsequent seinen Weg der totalen kommerziellen Verweigerung zu Ende.

Beak> katapultieren Myriaden winziger Synthesizer-Sinfonien durch ihre analogen Sound-Tunnel, zerteilen und entschleunigen diese und mixen sie mit ihrem hart erarbeiteten Kraut-Sound. Dabei agieren sie fokussiert und nachvollziehbar - vorausgesetzt, man akzeptiert, dass es so etwas überhaupt im Freistil-Universum geben darf. Es ist ein Ansatz, den Radiohead seit Jahren ähnlich verfolgen, und den die Liars mit ihrem konsequent sympathischen und Feuilleton-freundlichen Avantgarde-Post-Kraut-Sound fast zur Perfektion gebracht haben.

Kaum nachbearbeitet, zeigt das in kurzer Zeit live eingespielte Album die Lust am Hier und Jetzt. Vorige Aufnahmen verwarf man konsequent, es hieß, die Magie stimme einfach nicht. Beim Live-Jam also nun das gewollte, geduldete Zitat: Can und Neu! überall, bespickt mit Farbtupfern aus der Indie-Welt der letzten zehn Jahre. Die mechanische Präzision analoger Egal-Improvisation trifft auf elektronische Verlässlichkeit. Ja, man darf sich auf ">>" in gewisser Weise verlassen: Denn wer das Debüt bereits gut fand, wird dieses Album sicher ganz schnell in sein Herz schließen.

Constantin Aravanlis

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-Titel>>
Bandname/InterpretBeak>
GenreBesonderes
GenreKrautrock/Experimental-Musik
Erhältlich ab06.07.2012
LabelInvada
VertriebCargo
Laufzeit48:18
EAN Code5055300352569
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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