Jüngst bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in der Wembley Arena zu London: Der künstlerische Leiter der Feierlichkeiten, Oscarpreisträger und Regisseur Danny Boyle, nimmt sich hinreichend Zeit, um in einer vierstündigen Show die britische Popkultur ausgiebig zu feiern. Eine Zeitreise von The Who über New Order und Dizzee Rascal hin zu den Arctic Monkeys, die gar zwei Stücke live darbieten durften, bis zum glorreichen Abschluss mit dem Gassenhauer "Hey Jude", dargeboten von einem mehr als rüstigen Sir Paul McCartney. Von den Unumgänglichen bis zum feinen subkulturgeprägten Pop-Nachwuchs war also alles dabei - eigentlich hat nur einer gefehlt: Eugene McGuinness. Das größte Pop-Talent, was das Königreich seit Bryan Ferry (Roxy Music) zu bieten hat, durfte nicht mitmachen. Aber seine Zeit wird kommen, hat seine Reise doch mit seinem zweiten Album "The Invitation To The Voyage" gerade erst begonnen.
Nach seinem letzten Projekt "Eugene McGuinness & The Lizards", zusammen mit seinem Bruder Dominic, unkte man schon, man hätte es mit einem ewigen Talent zu tun, der mit seinem beeindruckend leichten, selbstbetitelten Debüt schon alles offengelegt hätte, was er zu leisten im Stande ist. Auf "The Invitation To The Voyage" gibt er die richtige Antwort.
Dabei verliert der 27-Jährige die Zukunft nicht aus dem Auge - denn neben den schon erfolgreichen Singles wie "Lion" oder "Thunderbolt" finden sich auf seinem zweiten Album auch jede Menge ausgefuchste Experimente. "Japanese Cars" zum Beispiel wagt sich sehr tief in die 80er-Jahre. Die Crescendo-Ballade "Concrete Moon" funktioniert mit einem zeitgemäßen Beat und einem langsam einsetzenden, dezenten Klavier- und Streicherthema bestens. Hierfür dürfte sich Produzent Dan Carey (Hot Chip, M.I.A.) verantwortlich zeigen, der sich die Arbeit am Album mit Clive Langer (Elvis Costello, Morrissey) geteilt hat. "Shotgun" hingegen arbeitet sich, wie zuletzt TripHop-Legende Tricky, an Henry Mancinis "Peter Gunn Theme" ab, wobei McGuinness einen düsteren, 007-esken Discobeat daraus macht. Der Opener "Harlequinade" und das treibende "Videogame" zeigen seine originäre Stärken: eingängige Hooks und formidables Songwriting.
Eugene McGuinness kann man sich sehr gut im Auftrag ihrer Majestät vorstellen - auch optisch scheint er daran zu arbeiten: früher Schlabberpulli und Justin-Bieber-Frisur, heute zurückgegelte Matte mit John-Lennon-Lederjacke oder Vintage-Sean-Connery-Anzug. Aber diesbezüglich wird klar: So ganz gefunden hat sich der Hoffnungsträger noch nicht. Gelungen ist ihm erneut ein sehr modernes, durch und durch britisches Popalbum. Zu wünschen ist ihm jetzt ein nachhaltiger Reifungsprozess, der es ihm ermöglicht im Jahr 2052, wenn die olympischen Spiele nach London zurückkehren sollten, die Feierlichkeiten mit einer seiner Hymnen ausklingen zu lassen.
Thomas Mehringer
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | The Invitation To The Voyage |
| Bandname/Interpret | Eugene McGuinness |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop |
| Erhältlich ab | 03.08.2012 |
| Label | Domino |
| Vertrieb | GoodToGo |
| Laufzeit | 36:30 |
| EAN Code | 5034202024620 |



