Wenn dieser Tage vom "Rapper mit der Maske" gesprochen wird, dann ist in der Regel nicht mehr Sido gemeint, sondern der Stuttgarter Cro. Er ist der Shooting-Star der Stunde: Über 900.000 Likes bei Facebook (zum Vergleich Sido 600.000), das Video zur ersten Single "Easy" über 21 Millionen Mal bei Youtube abgerufen, der Song selbst inzwischen mit Gold ausgezeichnet. Und wenn dieser Tage sein Debütalbum "Raop" erscheint, dürfte die Edelmetall-Verleihung ebenfalls nicht lange auf sich warten lassen. Schon seit Monaten ist der Rummel um Cro, hinter dem der Anfang 20-jährige (Label sagt 19, das Internet 21) Mediendesigner Carlo Waibel steckt, mehr als enorm. Er gilt vielen - neben Rap-Rocker Casper - als der neue Star des deutschsprachigen HipHop. Ein Interview mit dem Rapper mit der Panda-Maske über Vorurteile von Eltern, umgedrehte Kreuze und Bedürfnisse, die er am liebsten im Freien verrichtet.
teleschau: Welches war die häufigste Frage, die Dir in den bisherigen Interviews gestellt wurde?
Cro: Ganz eindeutig: "Ich weiß, du bist das bestimmt schon tausend Mal gefragt worden, aber warum die Maske?"
teleschau: Und? Bist Du bereits genervt, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist?
Cro: Nö. Die Leute wollen das halt wissen. Das passt schon.
teleschau: Aber es weiß doch jeder. Da Du ja ständig danach gefragt wirst, steht es eben auch in jedem Text über Dich.
Cro: Ja, das stimmt wahrscheinlich. Aber in einigen Artikeln steht, dass ich mit der Maske ursprünglich bloß mein Privatleben schützen wollte, um Stress in meinem damaligen Job als Mediendesigner bei der "Stuttgarter Zeitung" zu vermeiden. In anderen Texten steht, dass ich dieses Superheldenhafte dahinter cool fand - abends der Superheld mit Maske auf der Bühne, tagsüber der Normalsterbliche in der Zeitungsfabrik. Beides ist richtig.
teleschau: Meinst Du denn, dass es für Deine Arbeitgeber ein Problem gewesen wäre, wenn sie von Deinem Rap-Alter-Ego gewusst hätten?
Cro: Nein, vermutlich nicht. Ich rappe ja auch nicht über Bitches und Hoes. Zumindest nicht ausschließlich (grinst). Aber nun ist aus dieser Maskierung eben dieses Mysterium entstanden, das die Leute offensichtlich spannend finden. Und ich natürlich auch.
teleschau: Lange wirst Du dieses Mysterium aber sicherlich nicht mehr aufrecht erhalten können. Im Internet kursieren ja bereits Bilder von Dir ohne Maske.
Cro: Das stimmt. Aber man kann sich ja nie sicher sein, ob ich das auch wirklich bin. Und ganz ehrlich: Teilweise sind auf den Fotos wirklich andere Leute zu sehen. Es gibt bestimmt auch Typen, die in Clubs rumlaufen und dreist behaupten, sie wären ich. Aber das ist schon okay, wenn ihnen diese Masche hilft, die Mädels ins Bett zu bekommen (lacht).
teleschau: Du bist von einem kleinen Label gesignt, obwohl Dir immense Summen von großen Plattenfirmen geboten wurden, die Du jedoch abgelehnt hast. Warum?
Cro: Wir hörten uns alle Angebote an, tingelten von Major zu Major und führten entsprechende Gespräche. Aber irgendwann wurde es einfach zu viel, plötzlich zerrten alle an mir herum, und daraufhin beschloss ich: Ich mache das jetzt alleine. Und es macht den Eindruck, als würde es funktionieren.
teleschau: Gib es zu: Die Summen konnten Deiner unbändigen Gier einfach nicht gerecht werden.
Cro: Die Summen waren hoch. Wahnsinnig hoch. Aber das sind Einmalzahlungen. Im Nachhinein verdient man dann nicht mehr so viel daran, weil sich die Labels die große Kohle natürlich lieber in die eigene Tasche stecken. Einen fetten Vorschuss habe ich nun zwar nicht bekommen, aber damit komme ich klar.
teleschau: Du wohnst noch bei Deiner Mutter, oder?
Cro: Zur Albumproduktion bin ich wieder zu Mama zurück. Davor habe ich im Stuttgarter Westen in einer WG gewohnt - mit 13 Leuten.
teleschau: 13?
Cro: Ja, das war krass. In einer alten Druckerei mit Lastenaufzug. Das war anstrengend, aber witzig. Das Problem ist eben bloß: Man kommt dort zu nichts. Wenn man mal Musik machen will, kommt immer irgendjemand und erzählt dir, dass er morgen eine Matheprüfung hat. Außerdem ist man natürlich ständig abgelenkt, weil immer Leute da sind.
teleschau: Wie steht Deine Mutter denn zu Deiner Musikerkarriere?
Cro: Am Anfang war sie schon ziemlich skeptisch, hat mich aber machen lassen. Mittlerweile findet sie es aber sogar ganz cool. Mein Vater hingegen war am Anfang überhaupt nicht begeistert, weil er dieses Bild vom mittellosen Musiker im Kopf hatte. Jetzt ist er aber auch cool damit und schickt mir ständig irgendwelche Youtube-Links.
teleschau: Du bist ja auch quasi übers Internet binnen kürzester Zeit zum Star geworden. Das ist für Eltern vermutlich kaum greifbar ...
Cro: Ja, damit dürftest du recht haben. Mittlerweile ist meine Mutter aber total krass drauf, und schaut sich sogar Videos von Haftbefehl (deutscher Rapper aus Offenbach, Anm. d. Red.) an. Trotzdem ist Rap nicht so ihr Ding: zu unmelodiös, zu eintönig, zu langweilig. Und ich weiß jetzt schon, wie es läuft: Wenn meine Millionen erst wieder weg sind, wird sie sich mit verschränkten Armen vor mich hinstellen und sagen: "Ich hab es dir ja gesagt!" (grinst)
teleschau: Du hast mehr als nur eine Leidenschaft: Du zeichnest gerne, hast ein Klamottenlabel namens Vio Vio, skatest ... Wenn Du mit etwas davon erfolgreich wärst, würdest Du die Musik sausen lassen?
Cro: Ja, wahrscheinlich. Ich kann nicht sagen, dass mir die Musik mehr Spaß macht als das Zeichnen oder die Klamottengeschichte. Ich fahre ja tatsächlich mehrgleisig, weil ich mich nicht festlegen will, kritzel ständig alles voll und werde bald auch das Modelabel flottmachen. Ich möchte nicht ausschließlich Musiker sein.
teleschau: Dann muss man sich um Deine Karriere jedenfalls keine Sorgen machen.
Cro: Ich habe auch total Bock, Bilder zu malen und Freunde dann zu beauftragen, die für 10.000 Euro zu kaufen - alles getürkt natürlich. Aber dadurch würde ein riesiger Medienrummel entstehen, und plötzlich wäre das der normale Kurs für meine Bilder. Gute Geschäftsidee, oder? Aber sag's nicht weiter.
teleschau: Du gehst ziemlich locker mit dem Hype um Dich um. Hast Du ein bisschen Angst davor, dass Dir diese Leichtigkeit aufgrund des ganzen Trubels irgendwann abhandenkommen könnte?
Cro: Nein. Durch die Maske kann ich ja immer wieder in die vermeintlich "normale" Welt zurück. Das hat wirklich etwas von "Uniform aus, Privatleben an".
teleschau: Aber Du legst ja nur die Maske ab und nicht das, was in Deinem Kopf hinter der Maske los ist.
Cro: Ja, das stimmt. Aber noch ist alles cool. Ich schalte wirklich automatisch ab, sobald ich die Maske nicht mehr aufhabe, mich niemand mehr erkennt und ich nicht mehr Cro, sondern nur noch Carlo bin. Kann aber natürlich sein, dass mir das irgendwann noch mal alles über den Kopf wächst. Wir werden sehen.
teleschau: Zweifelst Du nicht manchmal, ob das alles so richtig ist, wie es jetzt läuft?
Cro: Sagen wir so: Ich kann mich gerade echt nicht beschweren. Bisher habe ich durch Zufall alles richtig gemacht, obwohl sämtliche Schritte nicht groß durchdacht waren. Ich habe einfach gemacht, worauf ich Bock hatte, und hab damit aus Versehen ins Schwarze getroffen. Zum Zweifeln gab es bisher also noch keinen Grund.
teleschau: Oft speist sich eine Leidenschaft für Musik und Kunst ja aus Zweifeln, aus den negativen Eigenschaften des Menschen. Wie sieht Deine dunkle Seite aus?
Cro: Hab ich überhaupt eine? Doch - jeder Mensch hat eine dunkle Seite. Aber nach außen strahl ich eher hell, glaube ich. Ich habe in der KiTa aber mal einen Affen gestohlen. Und Kaugummis habe ich auch schon mal geklaut. Und ein Päckchen Kondome - aus denen haben wir dann Wasserbomben gemacht. Aber für einen halbwegs authentischen Lebenslauf als Gangster-Rapper reicht das vermutlich nicht aus.
teleschau: Apropos dunkle Seite: Auf Deiner Panda-Maske prangt ein umgedrehtes Kreuz. Verbirgt sich dahinter ein tieferer Sinn?
Cro: Nein. Ich find das einfach stylisch und bin weder Anhänger der Illuminaten noch Teufelsanbeter. Ich bin doch nicht böse.
teleschau: Gab es diesbezüglich denn schon mal negative Rückmeldungen?
Cro: Klar. Es gibt durchaus Leute, die sagen, dass sie mich eigentlich ganz cool fänden, wenn ich nicht so merkwürdige religiöse Ansichten hätte.
teleschau: Gibt's noch ein Geheimnis über Dich, das Du bisher noch in keinem Interview erzählt hast?
Cro: Ich uriniere gerne im Freien. Aber wer tut das nicht?
Cro auf Deutschland-Tournee:
01.10., Saarbrücken, Garage
02.10., Köln, E Werk
03.10., Köln, Live Music Hall
04.10., Dortmund, FZW
06.10., Münster, Skaters Palace
07.10., Hannover, Capitol
08.10., Herford, Club X
10.10., Bremen, Schlachthof
11.10., Kiel, Max
12.10., Flensburg, Max
13.10., Rostock, Zwischenbau
15.10., Frankfurt, St. Peter Kirche
16.10., Kassel, Musiktheater
17.10., Fulda, Kreuz
18.10., Heidelberg, Halle02
20.10., Freiburg, Haus der Jugend
21.10., München, Muffathalle
22.10., Erlangen, E-Werk
27.10., Würzburg, Posthallen
28.10., Konstanz, Blechnerei
31.10., Augsburg, Kantine
01.11., Leipzig, Werk 2
02.11., Magdeburg, Festung Mark
03.11., Dresden, Strasse E
04.11., Erfurt, Centrum
06.11., Stuttgart, LKA
07.11., Stuttgart, LKA
Daniel Schieferdecker







