Musik / Backstage

Wenn's mal wieder länger dauert ...

Zahlreiche Superstars veröffentlichen im Herbst ihre neue Alben

Es ist wie eine goldene Regel im Musikgeschäft: der Zwei-Jahres-Zyklus. Album aufnehmen, auf Tour gehen, Album aufnehmen, auf Tour gehen und so weiter. Es ist eine Vorgehensweise, die Fans erfreut - und Plattenfirmen glücklich macht. Doch manchmal dauern diese Dinge eben auch ein bisschen länger. So feiern im kommenden Herbst viele Künstler ein "Quasi-Comeback" - nach mehrjähriger Auszeit. Weil Familie, Solokarrieren, andere Leidenschaften oder schlicht Perfektionismus einfach wichtiger sind.

Kinder, Solokarriere, Nebenprojekte: Die längste Auszeit nahmen sich No Doubt. Die Band um Frontfrau Gwen Stefani bringt nach elfjähriger Album-Abstinenz "Push And Shove" auf den Markt. Gitarrist und Haupt-Songwriter Tom Dumont möchte mit der neuen Scheibe eine kleine Zeitreise unternehmen, wie er in einem Radiointerview bei "Bloomberg" verriet: "Das neue Album ist ziemlich stark von dem Sound beeinflusst, mit dem wir in den 80-ern aufgewachsen sind. Es ist ein sehr kruder Mix aus der britischen New-Wave-Bewegung um Depeche Mode und The Cure, mit Versatzstücken aus Ska und jamaikanischen Zeug." Am 21. September soll "Push And Stove" im Handel stehen.

Dass sich Chan Marshall alias Cat Power vier Jahre Zeit für ein neues Album nahm, hatte hingegen wohl vor allem einen Grund: Perfektionismus. Die US-Songwriterin produzierte ihr neues Album in Eigenregie bei sich zu Hause und schraubte so lange an ihren Tracks, bis sie damit zufrieden war. Nun ist sie es offensichtlich: "Sun", ihr erstes Album mit Eigenkompositionen seit "The Greatest" (2006), kommt am 31. August auf den Markt.

Dass Musiker auch gerne andere Pfade als die musikalischen beschreiten, beweisen folgende zwei Damen: Alanis Morissette legte sich nach dem letzten Werk "Flavors Of Entanglement" (2008) nicht auf die faule Haut, sondern bastelte fleißig an ihrer Schauspiel-Karriere: So drehte sie die sechste Staffel der US-TV-Serie "Weeds" ab und spielte im Kino in der Philip-K.-Dick-Roman-Adaption "Radio Free Albemuth" mit. Nun genießt aber die Musik wieder Vorrang: Im Mai veröffentlichte die Kanadierin bereits ihre Single "Guardian", das dazugehörige Album "Havoc And Bright Lights" folgt am 24. August.

Ähnlich verhält es bei Nelly Furtado: Bevor die Kanadierin mit portugiesischen Wurzeln sich mit fleißiger Unterstützung der Produzenten Darkchild und Salaam Remi an ihr neues Album "The Spirit Indestructible" ranmachte, schob sie 2010 noch schnell eine Best-Of-CD dazwischen und trat in der Videospiel-Verfilmung "Max Payne" auf. Ursprünglich für den Juni angekündigt, wurde das Album auf den 14. September verschoben. Und danach wird es wohl auch so schnell nichts mit neuen Aufnahmen: Nach der Veröffentlichung von "The Spirit Indestructible" will Furtado auf eine zweijährige Welttournee gehen.

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Solche langfristigen Pläne machten Bloc Party nicht. Denn lange Zeit musste man um die Zukunft der britischen Indie-Rocker Bloc Party fürchten. Nach ihrer letzten Tour 2009 bewegte sich Sänger Kele Okereke auf Solopfaden, die restliche Band nahm sich eine Auszeit. Doch in einem "BBC"-Radio-Interview erklärte Okereke: "Wir alle in der Band haben nach einem gemeinsamen Treffen immer noch diese Energie gespürt. Das ist einer der Gründe, warum wir weitermachen werden. Ich freue mich, endlich wieder rocken zu können." Fans freuen sich nach all den Querelen deshalb auf den 24. August: Dann veröffentlichen Bloc Party ihr viertes Album "Four".

Auch Green Day ließen sich drei Jahre Zeit - mit gutem Grund: Wo andere Bands in dieser Zeit ein Album aufnehmen, mussten es bei den Punk-Rockern gleich zwei mehr sein. Green Day wollen in einem Zwei-Monats-Abstand bis einschließlich 11. Januar 2013 drei Scheiben unter das Volk bringen. Den Anfang der Album-Trilogie macht "Uno" am 21. September, gefolgt von "Dos" im November und dem Abschluss "Tre" im nächsten Jahr. An kreativer Energie scheint es Green Day jedenfalls nicht zu mangeln, wie Sänger Billie Joe Armstrong in einem Interview mit dem "Rolling Stone" verriet: "Wir wollten etwas mit mehr Punch machen, mehr Power-Pop. Irgendwas zwischen den Beatles und AC/DC."

Aber es gibt auch andere, weitaus menschlichere Gründe, als eine interne Bandkrise oder mal eben ein Mammutprojekt auf die Beine stellen zu wollen: die Familie. Multitalent Max Herre etwa feierte seit seinem letztes Solo-Album "Ein geschenkter Tag" (2009) wohl auch die Versöhnung mit Soul-Sängerin Joy Denalane etwas länger: Das Paar trennte sich, fand aber 2011 wieder zueinander. Und eigentlich fehlt nur ein Duett mit seiner Frau auf seinem neuen Album "Hallo Welt!", das am 24. August erscheint. Aber auch so wartet er mit einer illustren Gästeliste auf: Neben den Singer/Songwritern Clueso und Philipp Poisel sind auch der amerikanische Soul-Star Aloe Blacc und die Rapper Marteria und Samy Deluxe auf Herres neuem Album am Start.

Auch Muse-Sänger Matthew Bellamy ist inzwischen ein Familenmensch. Nach einer ausgedehnten Welt-Tournee und der Hochzeit mit Schauspielerin Kate Hudson fand das UK-Rock-Trio aber schnell wieder im Studio zusammen. Ergebnis: Am 14. September erscheint mit "The 2nd Law" ein neues Muse-Album. Bassist Chris Wolstenholme ließ in einem Interview mit dem Magazin "Kerrang!" durchblicken, dass die Band darauf "etwas radikal anderes machen" wollte, als auf den vorherigen Werken. Eine große Ehre erfuhr die britische Band vom IOC: Der Song "Survival" wurde als offizielle Hymne für die Olympischen Spiele 2012 in London auserkoren.

Auch Pink singt Hymnen - auf ihre kleine Tochter Willow. Und nach dreijähriger Schwangerschafts-, Baby- und Hausfrauenpause kribbelte es wohl auch wieder in ihrem musikalischen Fingern. Ihr bisher noch namenloses sechstes Studioalbum soll noch in diesem Jahr erscheinen. Einen Vorgeschmack auf die Platte wird es bereits am 9. Juli geben. Dann erscheint ihre erste Single-Auskopplung "Blow Me (One Last Kiss)".

Und bei manch anderem Künstler wird es aus unterschiedlichsten Gründen sogar noch länger dauern. Sicher ist aber: Soulsänger Xavier Naidoo und der "King Of Rap" Kool Savas bringen ein gemeinsames Album unter dem Pseudonym Xavas raus. Der umtriebige Sänger und Produzent der Black Eyed Peas, will.i.am, wird aller Voraussicht nach sein mittlerweile viertes Soloalbum "#willpower" im Herbst veröffentlichen. Aber auch die Berliner Reggae-Superstars Seeed, Pop-Wuschelkopf Mika, die Stadionrocker The Killers und die Folk-Formation Mumford And Suns werden noch dieses Jahr neue Alben vorlegen. Und vielleicht sogar auch U2. Aber bei den irischen Superstars weiß man ja, dass so ein Album immer länger dauert.

Ben Hiltrop

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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