Mit der Single "Baby, du siehst gut aus" tauchte die Mannheimer Rockband Bakkushan vor drei Jahren auf der Bildfläche auf. "Kopf im Sturm" heißt nun ihr zweites Album, auf dem das Quartett um Sänger Daniel Schmidt der bewährten Mischung aus Rock und Pop treu bleibt, sich aber zum Teil auch nachdenklicher zeigt. Ihr Motto: Keine Kompromisse! Denn wenn Bakkushan etwas gut können, dann ist das, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
So drehten sie das Video zu ihrer ersten Single "Springwut" völlig ohne Budget in Eigenregie, ihre erste, 40 Daten lange Tournee buchten sie selbst, und als 2010 ihr selbst betiteltes Debütalbum veröffentlicht wurde, pflasterten sie Clubs, Laternen und Toiletten in ganz Deutschland mit rund 100.000 Band-Stickern. "Baby, du siehst gut aus", stand darauf. Seitdem ist einiges passiert bei der Mannheimer Band. Über 300 Konzerte, die Verkaufszahlen kletterten in fünfstellige Höhen, und beim Bundesvision Song Contest 2010 belegte die Band einen guten, neunten Platz. "Mit gerade mal einem Punkt weniger seit Selig, und das als unbekannte Band, das fand ich schon ziemlich gut", sagt Sänger Daniel Schmidt.
"Kopf im Sturm" heißt nun das zweite Album des mittlerweile nach Berlin umgezogenen Quartetts. Ihrer Do-It-Yourself-Einstellung blieben sie dabei treu. "Natürlich braucht man Unterstützung, wenn das Ganze wächst, zum Beispiel sind wir im Gegensatz zu früher mittlerweile nicht mehr mit dem privaten Pkw auf Tour", lacht Schmidt. "Aber bei uns erblickt nach wie vor nichts das Licht der Öffentlichkeit, was nicht von uns abgesegnet wurde. Wir wissen genau, was wir wollen, und wenn wir etwas nicht gut finden, dann sagen wir das auch."
Und zwar klar und deutlich. Im neuen Song "Du nervst weil ... Fuck You!" heißt es folglich "Kompromisse brauch ich nicht". "Das kann man im Grunde als unseren Leitsatz betrachten", erklärt Schmidt. "Unter diesem Motto ist unsere Band quasi entstanden." 2007 war das, als Daniel Schmidt, Christian Kalle, Robert Kerner und Jan Siekmann sich beim Musikstudium an der "Popakademie Baden-Württemberg" kennen lernten. "Ich hatte vor Bakkushan genug andere Projekte, bei denen ich nie umsetzen konnte, was ich wirklich wollte", erinnert sich Schmidt. "Weil jeder seine Ideen einbringen musste und die dann auch nicht mehr loslassen konnte. Auf diese ständigen Kompromisse hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Also fing ich an, alleine Demos zu schreiben. Und dann traf ich genau die Jungs, mit denen ich das Ganze umsetzen konnte." Sie teilen seinen Geschmack, lassen ihm als Bandkopf und Songschreiber aber auch seine Freiheiten.
Für "Kopf im Sturm" entstanden so 13 Songs, die sich genau wie die Stücke auf dem Vorgänger zwischen Rock und Alternative bewegen, sich aber auch vor Pop nicht fürchten. Für die Ballade "Sag nur ein Wort" engagierten Bakkushan sogar das Babelsberger Filmorchester. "Das war schon immer ein Traum von mir", sagt Schmidt. "Auf einmal steht da ein 30-Mann-Orchester und spielt deinen Song, das ist schon geil."
Textlich derweil wird es auf "Kopf im Sturm" auch schon mal nachdenklich. War die Band bisher vor allem für freche Gute-Laune-Songs und sorglose, manchmal auch sinnfreie Zeilen wie "Baby, du siehst gut aus / Ich will dich tanzen sehen" bekannt, widmet Schmidt sich in seinen Texten dieses Mal auch ernsteren Themen. "Für mich hat beides seinen Reiz. Die Gute-Laune-Songs funktionieren live natürlich besser", findet Schmidt. "Aber wir waren mit der Band ja praktisch zwei Jahre ohne Pause unterwegs, da sammelt sich eine Menge Stoff an. Man lernt Menschen kennen, die man am gleichen Tag schon wieder abschreiben kann, oder man hat zu Hause Leute, die man aber vernachlässigen muss, weil man ständig weg ist. Es geht um Trennungen oder das Vermissen einer Beziehung, weil sie gerade nicht möglich ist. Das Album ist definitiv trauriger und zwischenmenschlicher als das letzte." Schmidt geht sogar noch weiter: Mit "Ich hasse die Liebe" formuliert er ein Hasslied auf die Liebe. "Natürlich habe ich das bestimmt auch schon mal gedacht", sagt er. "Das ist aber nicht als generelles Statement für mein Leben zu verstehen, sondern das Album ist eher eine Art Momentaufnahme."
Und dazu gehören natürlich auch positive Momente. "Das ist für euch" zum Beispiel ist eine Hymne für alle, die nie aufgeben. Also im Grunde auch für Bakkushan selbst. "Wenn man heutzutage als Band mit eigener Musik unterwegs ist und damit seinen Lebensunterhalt bestreiten will, ist eine gewisse Bissigkeit das einzige Mittel", weiß Schmidt. "Der Weg ist schon manchmal steinig. Aber wir geben nicht auf!"
Bakkushan auf Deutschland-Tournee:
20.07., Halbendorf, Rocknacht am See
27.07., Wittlich, Stadtpark Open Air
28.07., Kamp-Bornhofen, Mittelrhein Open Air
10.08., Echternach, E-Lake Festival
11.08., Haren/Ems, Rüt 'n' Rock
01.09., Bonn, Green Juice Festival
07.09., Kaiserslautern, Kammgarn
29.10., Bochum, Matrix
30.10., Dresden, Alter Schlachthof
01.11., Hannover, Musikzentrum
02.11., Nürnberg, Hirsch
04.11., Regensburg, Gloria
08.11., Biberach, Abdera
09.11., Augsburg, Kantine
16.11., Jena, F-Haus
17.11., Balingen, Subchord Reloaded Festival
18.11., Köln, Live Music Hall
21.11., Frankfurt, Nachtleben
22.11., Osnabrück, Rosenhof
23.11., Berlin, C-Club
29.11., Stuttgart, Wagenhallen
30.11., Mannheim, Alte Seilerei
01.12., Hamburg, Knust
Nadine Lischick





