Musik / Backstage

Mit (Hüft-)Schwung in die ganze Welt

Am 16. August jährt sich der Todestag des "King" zum 35. Mal

Lebendig bleibt nur, wer sich bewegt. Für Kunst gilt das ganz besonders. Wenn sie keine Einflüsse von außen mehr zulässt, von fremden Ländern und Menschen, dann tritt sie irgendwann auf der Stelle und stirbt. Musik braucht Schwung - und den ganz besonderen, den aus der Hüfte, bekam sie durch Elvis Presley beigebracht. Sein Name steht aber auch für Globalisierung im besten Sinne: Die Vorfahren kamen aus Deutschland, Schottland und Frankreich, seine Wurzeln lagen teilweise bei den indianischen Ureinwohnern seiner Heimat USA. Dort wurde Elvis Aron Presley am 8. Januar 1935 in East Tupelo im Staate Mississippi geboren - in ärmlichen Verhältnissen, aber voller Reichtum im Herzen. Voller Liebe (als wohl behütetes Einzelkind) und vor allem: voller Musik unterschiedlichster Einflüsse. Sie formte den schüchternen Buben und machte ihn zum größten Rockstar der Musikgeschichte. Bis heute - und das, obwohl der King vor 35 Jahren am 16. August in Memphis starb.

Der Vater war Landarbeiter, die Mutter Textilarbeiterin. Sie mussten innerhalb ihrer Stadt Tupelo häufiger umziehen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnten. Was für sie Fluch war, wurde für den kleinen Elvis zum Segen.

Trotz strenger Rassengesetze wohnte die Familie teilweise in einem Viertel, das voller afroamerikanischer Einflüsse war. Elvis freundete sich mit einem farbigen Nachbarsjungen an - und sog dessen musikalische Gospel-Wurzeln fasziniert auf, inhalierte die Klänge in den Gottesdiensten, entdeckte den Blues neben den elterlichen Country-Wurzeln. All diese Musik sollte Elvis zum Alphatier des Rock'n'Roll machen. Vielleicht der Startschuss zum Ruhm war "That's All Right Mama" - eigentlich eine Blues-Nummer von Arthur Crudup, der Elvis einen ganz neuen Sound verpasste. Rockabilly war geboren, Rhythm & Blues (schwarz) traf auf Country (weiß). Die musikalische Rassentrennung wurde mit Elvis aufgehoben.

So weit die musikalische Theorie. Doch die hilft wenig, um Millionen Fans auf der ganzen Welt in Ekstase zu versetzen. Dazu braucht's einen Interpreten, der aus jeder Pore Charisma, Musik und - natürlich - Erotik ausstrahlt. Als Elvis zusammen mit Scotty Moore und Bill Black am 30. Juli 1954 beim Open-Air im Amphitheater "Overton Park" in Memphis auftrat, wurde er zur Legende: Elvis' Energie, Elvis' Hüftschwung, Elvis' Beinakrobatik und eine geschmeidige, vielfarbige Stimme, die mühelos durch drei Oktaven tanzte, lösten Begeisterung und gar Tumulte aus - das Publikum wusste schlicht nicht, wie ihm geschah. In einer Zeit, die für diese Massen-Ekstase zu fetziger Musik eigentlich noch gar nicht reif war.

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Schon ein Jahr darauf wechselte der 20-jährige Presley zum internationalen Label RCA Records. Dort hatte man den richtigen Riecher: Das Debüt-Album des Twen, "Elvis Presley", wurde das erste Millionen-Dollar-Album in der Geschichte des Plattenlabels. Und damit begann eine Weltkarriere mit bis heute über einer Milliarde verkaufter Tonträger.

Wer so aussieht wie Elvis, wer so eine "Rampensau" ist, der bleibt in Hollywood natürlich nicht unbeachtet. Dank der Traumfabrik konnte der "King" seine überall verständliche Botschaft um die ganze Welt bringen: Wer keine Elvis-Scheibe hatte (weil die Eltern das nicht mochten), der konnte sich zumindest ins Kino stehlen. Zwischen "Pulverdampf und heiße Lieder" (1956) und "Ein himmlischer Schwindel" (1969) drehte der King of Rock unglaubliche 29 Filme. Und wer glaubt, er könne über Streifen wie "Harte Fäuste, heiße Lieder" oder "Die wilden Weiber von Tennessee" schmunzeln, sollte eines nicht vergessen: Neben der Kunst, Millionen ins Kino zu locken, zählt zumindest "Jailhouse Rock - Rhythmus hinter Gittern" als Klassiker, der vor acht Jahren von der amerikanischen National Film Registry in die Liste der kulturell, historisch und ästhetisch bedeutenden Werke aufgenommen wurde. Nicht zuletzt dank der hier geborenen Mutter aller Videoclips, die Elvis durch das Jailhouse rocken ließ, sodass sich auch heute noch die Gitterstangen biegen.

Elvis blieb geschmeidig, änderte seine Stile - vielleicht am nachhaltigsten nach einem Besuch der weltberühmten Pilzköpfe aus England, The Beatles, die ihn 1965 in Los Angeles die Ehre erwiesen. Und als ob er spürte, dass seine Lebenszeit kurz sein würde, stürzte er sich ab 1969 bis zu seinem Tod 1977 in Live-Auftritte. Über 1.100 Konzerte sollten zusammenkommen, dabei über die Hälfte im damaligen International Hotel (später: Hilton) in (Viva) Las Vegas. Der Tod kam mit 42. Was der Auslöser für seinen plötzlichen Herztod war, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Vielleicht war es Elvis' schwere, chronische Darmerkrankung, die den "King" verstummen ließ.

Ein höchst einfacher, aber tiefer Satz bringt auf den Punkt, was Elvis Presleys Credo war - und was bis heute Millionen Menschen zutiefst anrührt: "Es gibt keinen Song, bis man ihn singt." Und ihn mit (Hüft-)Schwung in die Welt bringt.

Karl Brand

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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