Kino / Portraits

Die ewig Experimentierfreudige

Madonna versucht sich mit "W.E." (Start: 21. Juni) erneut als Regisseurin

Ihr Status als "Queen Of Pop" ist unbestritten. Ihr mangelndes Talent als Schauspielerin allerdings auch. Wann immer Madonna Louise Veronica Ciccone - besser bekannt als Madonna - in den vergangenen Jahrzehnten versuchte, als Aktrice Fuß zu fassen, ging ihren Filmen eine Welle der Häme voraus. Bei ihrem aktuellen Projekt "W.E." zog es sie hinter die Kamera: Die 53-Jährige führte zum zweiten Mal Regie. Ihre erste Arbeit hinter der Kamera, "Filth and Wisdom" (2008), wurde zwar bei der Berlinale 2008 präsentiert, schaffte den Weg auf die Leinwand aber nicht. Ob sie sich mit "W.E." erfolgreich als Regisseurin etablieren kann, lässt sich ab 21. Juni im Kino beurteilen.

"Ich bin mir nicht sicher, was die Leute von mir als Regisseurin erwarten", gab die Diva in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph" zu Protokoll. "Ich denke, sie gehen sehr kritisch mit mir um, weil ich in anderen Bereichen meines Lebens sehr erfolgreich bin. Ich spüre einen gewissen Druck." Mit dieser Einschätzung könnte Madonna durchaus richtig liegen. Nicht zuletzt, weil der letzte Film, in dem sie als Darstellerin zu sehen war, mit einem US-Umsatz von nur rund 600.000 US-Dollar gnadenlos floppte: Unter der Regie von Ex-Ehemann Guy Ritchie räkelte sie sich in "Stürmische Liebe - Swept Away" (2002) mit einem jugendlichen Lover im knappen Bikini am Strand.

Einige Zeit nach diesem cineastischen Desaster schwor die vierfache Mutter, ihre schauspielerischen Aktivitäten endgültig an den Nagel zu hängen. Dabei fing ihre Karriere vor der Kamera recht vielversprechend an: Nach einem gelungenen Leinwanddebüt in der Komödie "Crazy For You" (1985) begeisterte sie in der Verwechslungskomödie "Susan ... verzweifelt gesucht" (1985). Zu dieser Zeit war die ewig Jugendliche als Sängerin bereits äußerst erfolgreich.

Ihre Qualitäten am Mikrofon dürften letzlich auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass Madonna 1996 die Hauptrolle im Musicalfilm "Evita" ergatterte. Als argentinische Präsidentin Eva Perón war sie derart überzeugend, dass ihre Leistung 1997 mit einem Golden Globe in der Kategorie "Beste Schauspielerin" honoriert wurde. Doch das sollte neben einem Publikumspreis für ihre Performance in dem Theaterstück "Up For Grabs" (2002) die letzte Auszeichnung sein, die der bekennende Fitness-Junkie für seine darstellerischen Qualitäten erhielt - sieht man von einer "Goldenen Himbeere" in der Kategorie "Schlechteste Schauspielerin des Jahrhunderts" im Jahre 2000 einmal ab.

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Insgesamt wirkte Madonna in 18 Spielfilmen mit. Teils als Nebendarstellerin, teils in einer Hauptrolle. Doch einen guten Riecher für gelungene Drehbücher entwickelte sie während ihrer Zeit im Filmgeschäft nicht. Selbst den Part der Yoga liebenden Powermutter, die sie auch im wahren Leben spielt, konnte sie an der Seite von Rupert Everett in "Ein Freund zum Verlieben" (2000) nicht überzeugend ausfüllen. Weitere Filme auf der Liste von Madonnas Leinwand-Debakeln sind "Shanghai Surprise" (1986), "Who's That Girl" (1987) oder "Body Of Evidence" (1993).

Ob der endgültige Wechsel hinter die Kamera ihr mehr Lorbeeren beschert als die Schauspielerei? Sie selbst ist zumindest davon überzeugt, nun den passenden Platz im Filmgeschäft gefunden zu haben. "Ich bevorzuge das Regieführen", sagte die Italo-Amerikanerin in einem Gespräch mit dem Branchendienst contactmusic.com. "Wenn ich das Drehbuch schreibe und auf dem Regiestuhl sitze, ist es meine Stimme. Wenn ich als Schauspielerin agiere, bin ich nur eine Figur."

Für ihr aktuelles Projekt "W.E." holte sie sich fachmännischen Rat: Ex-Mann Sean Penn - die beiden waren von 1985 bis 1989 verheiratet - war ihr nach eigener Aussage eine große Stütze, Guy Ritchie las sich das Drehbuch durch. "Beide gaben mir keine speziellen Ratschläge, was das Erzählen der Geschichte angeht", berichtet das Multitalent im Interview mit "The Telegraph". "Aber Guy gab mir technischen Rat, was Kameras und Aufnahmemethoden betrifft oder welcher Kinematograf der beste ist."

Ob diese prominente Rückendeckung auch ein Erfolgsgarant ist, bleibt abzuwarten. Eine Auszeichnung konnte Madonna immerhin schon für "W.E." einheimsen: Das von ihr eingesungene Titellied "Masterpiece" erhielt bei den diesjährigen Golden Globes einen Preis in der Kategorie "Bester Song".

Christina Freko

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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