Der Hamburger Publisher Daedalic, zuverlässiger Lieferant erstklassiger Adventure-Eigenproduktionen fürs Herz und Hirn ("Deponia", "Harveys neue Augen"), streckt seine Vermarktungsfühler zunehmend nach internationalen Titeln aus - und ist beim kleinen italienischen Entwickler Mad Orange fündig geworden. Dessen Debüt "Face Noir" erweist sich als Point&Click-Adventure der alten Schule: inhaltlich, spielerisch - und leider auch technisch.
Die Weltwirtschaftskrise Ende der 30er-Jahre lässt den abgehalfterten New Yorker Privatdetektiv Jack Del Nero nicht gerade wählerisch bei der Annahme von Aufträgen sein. Doch das Schießen eines schlüpfrigen Fotos für eine Handvoll Dollar hat unerwartete Folgen: Der Ex-Cop mit Klischee-Trenchcoat und Alkoholproblem wird zum Sündenbock in einer verzwickten Geschichte um Mord, Verrat und Korruption - und der Spieler Zeuge, wie wenig die altbackene Inszenierung der düsteren Atmosphäre dieses rauen Adventure-Krimis anhaben kann, der sich als überraschend umfangreich erweist.
Rund 15 bis 20 Stunden knobelt man sich mit Jack durch die verrucht-verregnet-vernebelten Straßen des Big Apple, befragt zahlreiche Charaktere, geht in schummrigen Bars einen heben, lauscht dem eigens komponierten Jazz-Soundtrack und findet - dank Hotspot-Anzeige - Unmengen auffälliger Objekte und einsackbarer Gegenstände, die sich etwas unkomfortabel nur in einem eigenem Inventar-Bildschirm untersuchen, aber nicht miteinander kombinieren lassen.
"Face Noir" verspricht zwar einen nicht-linearen Aufbau, hält den Spieler aber doch immer wieder an der kurzen Leine - etwa, wenn bestimmte Aktionen erst dann möglich sind, wenn zuvor die passenden Hinweise gefunden wurden. Macht aber nichts, da die Rätsel größtenteils logisch aufgebaut sind und sich innerhalb eines Abschnitts in beliebiger Reihenfolge lösen lassen. Für ein wenig Abwechslung in den Ermittlungsarbeiten sorgen kleinere Minispiele, in denen Jack Schlösser und Tresore mit viel Fingerspitzengefühl knacken oder sich an Wachmännern vorbeischleichen muss. Apropos: Jack kann in manchen Szenen auch das Zeitliche segnen.
Fazit: "Face Noir" wendet sich eher an Genre-Liebhaber, denen der narrative Fokus und die gekonnt aufgebaute 30er-Jahre-Atmosphäre wichtiger sind als eine zeitgemäße Präsentation. Besitzer größerer Monitore werden sich an der geringen Auflösung des Spiels und den schwarzen Balken stören, Einsteiger an klobigen Figuren und den mitunter spärlichen Hinweisen, was denn nun als Nächstes zu tun ist. Das weiß Entwickler Mad Orange ganz genau: Das Ende stellt bereits eine Fortsetzung in Aussicht.
Sixten Lehmann
| Game | |
|---|---|
| Spielname | Face Noir |
| Hersteller | Mad Orange |
| Vertrieb | Daedalic Entertainment |
| Genre | Adventure |
| Erhältlich ab | 31.07.2012 |
| Preis | ca. 35 Euro |
| EAN Code | 4009750502105 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Alter | ab 12 Jahre |
| Multiplayer | nein |
| Bewertung Grafik | ausreichend |
| Bewertung Steuerung | befriedigend |
| Bewertung Sound | gut |
| Bewertung Spielspass | befriedigend |
| Bewertung Gesamt | befriedigend |
Erhältlich für:
PC


















