Beim Ingolstädter "Donaukurier" ist die nächste Protestaktion zum Schutz der Privatsphäre seiner Leser angelaufen. "Wir haben ganz aktuell in unserem Online-Auftritt alle Verknüpfungen zu Facebook entfernt", sagte Chefredakteur Gerd Schneider. Damit würden fortan keine Daten über das Surfverhalten der Leser mehr automatisch an das Netzwerk gesendet.
"Um Datenschutz und Privatsphäre schert sich Facebook nicht", sagte Schneider. "Ich meine, dass man darüber als Zeitung nicht nur kritisch berichten muss, sondern auch Flagge zeigen sollte." Alternativ zu Facebook hat der "Donaukurier" jetzt das Netzwerk Diaspora auf seiner Seite eingebunden. Es sei dezentral organisiert und gewährleiste den Datenschutz, sagte Schneider.
Schneider kritisierte, das seit einem Monat börsennotierte und in den USA beheimatete soziale Netzwerk Facebook verfolge allein das Ziel, die Daten seiner Nutzer zu Geld machen. Der "Donaukurier" hat zuvor bereits "Google Street View" und die Vorratsdatenspeicherung mit eigenen Aktionen hinterfragt. 2007 erschien eine Wochenendausgabe mit einer schwarzen Titelseite. Als Google 2010 begann, deutsche Häuser zu fotografieren, orderte die Zeitung im Interesse ihrer Leser zwei Gutachten zur Rechtmäßigkeit.
"Donaukurier"-Chefredakteur Schneider sprach sich auch in einer anderen Hinsicht für Zurückhaltung aus: bei den digitalen Angeboten der Verlagshäuser, vor allem den kostenfreien. Sein Haus werde "ganz sicher nicht den Fehler machen, uns so stark auf den digitalen Journalismus zu konzentrieren, dass wir unser Kerngeschäft vernachlässigen", sagte Schneider. "Nach meinem Empfinden haben jedenfalls einige Zeitungshäuser zu früh und zu radikal auf ein Pferd gesetzt, das noch nicht das richtige war."
Schneider beklagte, es fehle noch immer ein Geschäftsmodell für den Online-Journalismus. Was es aber gebe, das seien "sogenannte Gurus, die kein Podium auslassen und so tun, als wüssten sie, wie der Journalismus von morgen funktioniert". Seiner Meinung nach sei "die Herde, die diesen Gurus hinterher rennt, zu groß". Schneider warnte namentlich vor dem Modell "Online first", bei dem alle Recherchen zunächst frei ins Netz gestellt würden.

