Syrische Regierungstruppen haben eine neue Bodenoffensive auf die seit Tagen umkämpfte Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden des Landes gestartet. Staatsmedien berichteten von massiven Angriffen, doch Angaben von Aktivisten am Montag zufolge konnten die Rebellen ihre Stellungen halten. UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sagte am Sonntag, rund 200.000 Menschen seien in den vergangenen zwei Tagen aus der Millionenstadt in die umliegenden Gebiete geflüchtet. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte unterdessen das Ende der Herrschaft von Staatschef Baschar Assad voraus.
Die Meldungen über die Lage in Aleppo zeichneten zunächst ein widersprüchliches Bild. Staatlichen Medien zufolge wurde das umkämpfte Viertel Salaheddine, eine Hochburg der Rebellen, von Aufständischen "gesäubert". Aktivisten in Aleppo erklärten hingegen, die Kämpfe dauerten an, Regierungstruppen seien bislang nicht in das Viertel eingedrungen. Panzer befänden sich im nahegelegenen Bezirk Hamdanija, Salaheddine selbst sei aber weiterhin in Rebellenhand, sagte der Aktivist Mohammed Said.
Amos warnte derweil unter Berufung auf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und den Syrisch-Arabischen Roten Halbmond, es sei unklar, wie viele Menschen noch in Gegenden eingeschlossen seien, wo die Kämpfe anhielten. Die zahlreichen Flüchtlinge seien dringend auf Lebensmittel und Trinkwasser angewiesen, sagte die Nothilfebeauftragte.
Amos forderte die Konfliktparteien in Syrien auf, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Sie sei "äußerst besorgt über die Folgen von Beschuss und des Einsatzes von Panzern und anderer schwerer Waffen" nicht nur für die Menschen in Aleppo, sondern auch in der Hauptstadt Damaskus und umliegenden Ortschaften, erklärte sie.

