
Bayer zu Milliardenstrafe verdonnert
Die nächste Hiobsbotschaft für den Bayerkonzern. Im dritten Glyphosat-Prozess in den USA hat die Klägerseite Recht bekommen. Ein Gericht im kalifornischen Oakland verurteilte die Bayer-Tochter Monsanto zu umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro. Das ist die höchste Summe, die bisher gegen Monsanto verhängt wurde.
Veröffentlicht: Dienstag, 14.05.2019 04:06
Geklagt hatte ein Rentnerehepaar. Es macht Glyphosat für seine Schilddrüsenkrebserkrankung verantwortlich. Bayer selbst kündigte an umgehend Rechtsmittel einzulegen.Es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass es ohne den Einsatz von Glyphosat nicht zu der Krebserkrankung gekommen wäre, heißt es in einem Bayer-Statement. Für Bayer ist der Fall hochbrisant: Es ist bereits der dritte Schuldspruch innerhalb weniger Monate und weitere Prozesse werden folgen. Zuletzt war der Konzern in den USA nach eigenen Angaben mit rund 13.400 Klagen wegen des Unkrautvernichters "Roundup" konfrontiert.
Auch die Bayer-Aktie ist am Dienstag weiter abgerutscht: Zeitweise knickte sie um 2,6 Prozent auf 53,65 Euro ein. Angesichts der sich häufenden Schlappen vor US-Gerichten wird die Lage für Bayer und Konzernchef Werner Baumann immer kritischer. Vergleiche mit Klägern dürften nach der dritten Prozessschlappe immer wahrscheinlicher werden. Das hatte Bayer zuletzt immer wieder abgelehnt.
Auch die Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) schätzt die Lage von Bayer als kritisch ein. Der Konzern habe den Schaden, den das Unternehmen durch die Übernahme von Monsanto davonträgt, offenbar unterschätzt. Dass das Schicksal von Bayer jetzt in den Händen eines US-Richters liege, sei erschreckend.
Der Betriebsrat von Bayer reagierte in einer Stellungnahme überrascht auf das Urteil: Besonders die Höhe der zugesprochenen Schaden-Ersatzzahlungen sei unverständlich – schließlich habe erst kürzlich die US-Umweltbehörde EPA sowie das kanadische Gesundheitsministerium Glyphosat als sicher eingestuft. Allerdings blicke man trotzdem weiterhin positiv in die Zukunft. Die guten Zahlen des ersten Quartals hätten gezeigt, dass Bayer auf dem richtigen Weg sei, heißt es in der Stellungnahme. Außerdem habe Bayer ja bereits bis Ende 2025 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen – auch das helfe den Mitarbeitern, die Krise durchzustehen.
Um frisches Geld reinzuholen, hat Bayer jetzt den Deal mit dem Kosmetik-Konzern Beiersdorf abgewickelt. Der Hamburger Konzern übernimmt von Bayer die Produktsparte mit Sonnenschutzmitteln in den USA.
An der Börse bringt es Bayer mittlerweile nur noch auf rund 50 Milliarden Euro Unternehmenswert. Zum Vergleich: Für Monsanto legten Bayer 56 Milliarden Euro auf den Tisch.