«Elli» bringt Schneechaos - Fernverkehr soll wieder laufen
Veröffentlicht: Freitag, 09.01.2026 22:37

Sturmtief
Hannover/Berlin (dpa) - Wintersturm Elli hat zwar für Schneechaos und einige Unfälle gesorgt, die schlimmsten Befürchtungen sind aber bislang nicht eingetroffen. Und die Meteorologen erwarten nach Auflösung des Sturms im Verlauf des Wochenendes sogar winterliches Bilderbuchwetter. Der Überblick:
Bahn will Fernverkehr im Norden wieder aufnehmen
Besonders betroffen sind Zugreisende: Seit Freitagmorgen ist der gesamte Schienenverkehr im Großraum Hannover eingestellt und der Fernverkehr im Norden Deutschlands ruht. Betroffen sind unter anderem diese Strecken:
- Hamburg - Berlin
- Hannover - Berlin
- Hannover - Ruhrgebiet
- Ruhrgebiet - Hamburg
- Berlin - Kassel
- Norddeich/Emden - Hannover/Ruhrgebiet
In vielen Gebieten in Nord- und Ostdeutschland ist auch der Regionalverkehr im Tagesverlauf mindestens zeitweise eingestellt worden. Seit dem Abend ist der Busverkehr in der Stadt und Region Hannover komplett eingestellt. Nach Vorfällen mit festgefahrenen und rutschenden Bussen sei die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleistet, teilte das zuständige Verkehrsunternehmen Üstra mit. Im Umland der Stadt wurde der Busverkehr demnach in großen Teilen bereits bis zum späten Mittag eingestellt.
«Es sind vor allem die heftigen Schneeverwehungen, die uns zu schaffen machen», sagte Bahnsprecher Achim Stauß. Am Abend und in der Nacht sollen Fahrzeuge zu ihren Einsatzorten gebracht und Strecken - wenn möglich - so geräumt werden, dass sie wieder sicher befahrbar sind.
Die Deutsche Bahn will den Fernverkehr am Samstagmorgen wieder schrittweise aufnehmen. Trotzdem sei bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen, hieß es. Die Bahn bittet alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf der Internetseite der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren.
Auch der Zugverkehr des Bahnunternehmens Metronom soll am Samstagmorgen wieder anlaufen. Nach Angaben des Unternehmens ist die Wiederaufnahme des Betriebs ab etwa 10.00 Uhr geplant. Zum Start sei mit Einschränkungen zu rechnen, hieß es.
Viele Unfälle – aber keine Ausnahmesituation
Viele Straßen waren von Schneefall und Glatteis betroffen. Es gab zahlreiche Unfälle, in Bayern starben drei Menschen. Auf vielen Autobahnen kam es im Tagesverlauf zu kilometerlangen Staus durch festgefahrene und querstehende Lastwagen.
In Schleswig-Holstein hingegen berichtet die Polizei von einem eher ruhigen Verkehrsgeschehen auf den Straßen. Ein Hamburger Polizeisprecher teilte mit, die Lage sei ruhiger als erwartet, was daran liege, dass viele Menschen zu Hause geblieben seien.
Im besonders betroffenen Niedersachsen und Bremen kam es zu zahlreichen Unfällen, aber meist blieb es bei Blechschäden. Auch gab es nach Angaben mehrerer Kliniken in der Region keine besonderen oder unbeherrschbaren Auswirkungen. In den Kliniken des Bremer Verbunds Gesundheit Nord war es beispielsweise am Vormittag in den Notaufnahmen «eher ruhig», wie eine Sprecherin sagte.
Wetterdienst: Sturm ist kein «Jahrhundert-Event»
Die schlimmsten Erwartungen der Meteorologen hat Sturmtief «Elli» nicht mit sich gebracht. «Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall», hatte Meteorologe David Menzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitagmorgen gesagt. «Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches.»
In Hamburg lag laut DWD am Abend auf freien und ungeräumten Flächen eine Schneedecke von bis zu fünf Zentimetern. Die Menge des Neuschnees sei dabei aber schwer zu messen, weil er leicht verdrifte, erklärte der Meteorologe vom Dienst, Christian Paulmann. Allerdings sei die gesamte Situation mit dem stürmischen Schneewinter von 1978/79 überhaupt nicht zu vergleichen - weder mit Blick auf die Schneemengen noch bei den Windgeschwindigkeiten.
Der DWD rechnet für Norddeutschland auch nicht mehr mit großem Schneefall, hieß es am späten Freitagabend. Am Wochenende soll sich Sturmtief «Elli» auch langsam auflösen.
«Im Norden und Osten kehrt, abgesehen von vereinzelten Schneeschauern, Ruhe ein», so der Meteorologe Menzel. Schnee wird dann aber im Süden fallen. Vor allem in den Staulagen der Mittelgebirge und im Allgäu schneit es laut DWD dann teils heftig, mehr als 30 Zentimeter Neuschnee sind drin. Auch in tieferen Lagen können zehn Zentimeter zusammenkommen.
Meteorologen erwarten Bilderbuch-Wetter
Plusgrade werden am Samstag nur noch südlich des Mains gemessen, aber auch dort fallen die Temperaturen im Tagesverlauf in den Frostbereich. «In der Nacht wird es knackig kalt.» Wo Schnee liegt, rechnet der DWD mit minus zehn Grad. Am Sonntag erwartet der Wetterdienst «einen Wintertag wie aus dem Bilderbuch».
Die Bedingungen für viel Winterspaß sind vielerorts nun ja auch gegeben: Etwa in Sachsens Skigebieten sind viele Pisten, Lifte und Loipen geöffnet, auch in Thüringen sollen die wegen Sturms geschlossenen Pisten wieder befahrbar sein. «Wir haben traumhafte Bedingungen», sagte Jörg Wilke, Sprecher des Skigebiets im hessischen Willingen.
Und im sonst eher schneearmen Hamburg gibt es derzeit an der Alster eine kleine Winterausstellung: Auf der Krugkoppelbrücke und der Fernsichtbrücke haben Passanten eine ganze Parade von Schneemännern aufgereiht. Dutzende weiße Figuren stehen dort nebeneinander – in ganz unterschiedlichen Größen.
Doch am Montag dreht sich die Lage wieder. «Zum Start in die neue Woche droht dann aus Westen neues Ungemach in Form von gefrierendem Regen», sagt der DWD voraus. «Im Anschluss deutet sich dann eine Milderung an, wobei abgewartet werden muss, wie weit diese nach Nordosten vorankommt.»









