Einsteiger: Welche Outdoor-Kleidung brauche ich wirklich?

Wanderer gehen über den schneebedeckten Brocken
© Matthias Bein/dpa/dpa-tmn

Wandern und Co.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Sie wollen an die frische Luft, beim Wandern fitter werden oder einfach nur mehr sehen als Straßenschluchten und Betonbauten? Gute Idee, raus in die Natur mit Ihnen. Doch Moment: Was zieht man eigentlich am besten an - fernab von festen Straßen und U-Bahnstationen? 

Wer draußen unterwegs sein will, braucht natürlich keine teure High-End-Outdoor-Ausrüstung. «Für den Anfang reichen wenige Teile, die vor allem atmungsaktiv, bequem und praktisch sein sollten», sagt Mark Löcker. Er ist freier Outdoorberater auf Messen und selbst Outdoorsportler. 

Doch ganz ohne etwas Vorbereitung in die Vorstadt-Wildnis zu wandern oder gar längere Touren zu unternehmen, ist auch keine wirklich gute Idee. Selbst für den Outdoor-Anfang braucht es ein Basis-Outfit - und laut Löcker am besten acht Teile: Funktionsshirt, Fleece, Windjacke, Regenjacke, Wanderhose, Wanderschuhe, Wandersocken und einen Tagesrucksack.

Zwiebelprinzip ohne Müffeln

Herkömmliche Jeans, Pullover und Co. bleiben hingegen im Schrank. Baumwolle saugt sich schnell mit Schweiß voll, isoliert kaum und liegt schwer im Rucksack. Für ein leichtes und trockenes Tragegefühl setzt man stattdessen auf ein Layer- oder Zwiebelprinzip mit drei Lagen, die nach Bedarf an- und ausgezogen werden: 

  • «Die erste ist ein Funktionsshirt aus Merinowolle, das locker, aber mit Hautkontakt anliegt», sagt Löcker. Das Material leitet Feuchtigkeit nach außen und müffelt selbst nach einer Woche Dauertragen nicht. Alternativ empfiehlt der Outdoorsportler atmungsaktive Polyester-Shirts, die zwar öfter in die Wäsche müssen, aber schnell trocknen.
  • Darüber kommt ein Fleece, das – im Sommer dünner, ab Herbst etwas dicker – eine isolierende Zwischenschicht bildet, ohne zu überhitzen.
  • Abschließend schützt eine leichte Wind- oder Regenjacke vor Wettereinflüssen. «Die so entstehenden, nicht zirkulierenden Luftschichten halten die Wärme perfekt, trotz vergleichsweise dünner Lagen», erklärt Löcker.
  • Damit es auch an den Beinen nicht scheuert oder schrammt, empfiehlt er eine nachgiebige Wanderhose mit vorgeformtem Knie und Gesäß. 

Von Modellen mit abzippbaren Beinteilen rät Löcker ab: «Die Reißverschlüsse stören beim Bergaufgehen. Umkrempeln ist praktischer.»

Auf Wassersäule achten

Und warum braucht man nun eine Wind- und eine zusätzliche Regenjacke? «Nur eine Windjacke hält kalte Zugluft zuverlässig fern, ohne an Atmungsaktivität einzubüßen», sagt der Outdoor-Experte. Er hält 2-in-1-Lösungen aus Wind- und Regenjacke für einen schlechten Kompromiss. Ihre Ultraleichtigkeit am Körper wie im Gepäck macht die Windjacke unverzichtbar. Sobald es länger nieselt, übernimmt die Regenjacke. 

Wie gut letztere Wolkenbrüchen standhält, entscheidet übrigens die Wassersäule (WS). Angegeben wird ihr Wert in Millimetern (mm) - er zeigt, wie viel Wasserdruck ein Stoff über 24 Stunden standhält. Für Mark Löcker sollte der Wassersäulen-Wert bei Regenjacken mindestens 8.000 mm, besser 10.000 mm betragen. 

Um nicht ins Schwitzen zu geraten, empfiehlt er auf Lüftungsmöglichkeiten im Achselbereich zu achten: «Pit Zips sorgen für den nötigen Durchzug, ohne dass es reinregnet.»

PFAS vermeiden

Und dann behält man am besten auch noch die Umwelt im Blick. Denn nicht immer ist Outdoor-Bedarf ganz im Sinne der Natur. «Viele Membranen und Pflegemittel enthalten schwer abbaubare PFAS», sagt Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die sogenannten Ewigkeits-Chemikalien können sich in der Natur und im menschlichen Organismus anreichern. Einige stehen im Verdacht unter anderem Immunsystem und Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. 

Genaues Hinschauen bei Herstellerangaben ist also sinnvoll: Begriffe wie fleckgeschützt, wasserabweisend, ölabweisend, oleophobic oder Anti-Fingerprint deuten etwa auf die Verwendung von PFAS hin. Und: «Werbeversprechen wie PFOA/PFOS-frei oder GenX-frei sagen lediglich aus, dass einzelne der über 10.000 bekannten PFAS nicht enthalten sind.» 

Stattdessen kann man auf Angaben wie «Frei von PFAS», «Frei von PFC» und «fluorfrei» achten. Außerdem auf Siegel wie Bluesign oder Oeko-Tex. «Suchen Sie auch auf den Internetseiten der Outdoormarken nach dem Stichwort PFAS», rät Verbraucherschützerin Effers. «Falls diese auf schädliche Chemikalien verzichten und sich für nachhaltige Lösungen einsetzen, finden sich entsprechende Informationen mit wenigen Klicks.» 

Outdoor-Stücke auf links waschen

Nicht nur allen mit knappem Budget empfiehlt Effers zudem, gezielt auf Second-Hand-Portalen nach Ausrüstung zu suchen oder nach Leihmöglichkeiten Ausschau zu halten. «Beides ist günstiger und schont wertvolle Ressourcen.»

Zudem sinnvoll: Die Outdoor-Stücke richtig pflegen, damit man möglichst lange etwas von ihnen hat. Einen entscheidenden Fehler machen laut Löcker dabei fast alle: «Regenkleidung nicht oder nur selten waschen.» Augenscheinlich sauber, bricht die in den sich ansammelten Schweißresten enthaltende Säure über kurz oder lang die stabilsten Nahtversiegelungen auf. «Ein regelmäßiger Schonwaschgang bei 30 Grad verhindert, dass sie undicht und damit nutzlos werden.» 

Drehen Sie Funktionskleidung vor dem Waschen auf links - und schließen Sie Verschlüsse. Schleudern Sie die Stücke nicht - und lassen Sie sie an der Luft trocknen. Einige Outdoor-Hersteller bieten zudem PFAS-freie-Imprägnier-Services an.

© dpa-infocom, dpa:260119-930-568485/1
Ein Mann packt einen Wanderrucksack
Ohne ihn geht es kaum: Der Rucksack gehört zur Outdoor-Ausrüstung in jedem Fall dazu.© Inga Kjer/dpa-tmn
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© Inga Kjer/dpa-tmn
Schaufensterpuppen mit Outdoorkleidung
Was brauche ich wirklich? Wer die erste Outdoor-Ausstattung kaufen will, macht sich am besten eine durchdachte Liste.© Lino Mirgeler/dpa/dpa-tmn
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© Lino Mirgeler/dpa/dpa-tmn
Ausgestellte Bekleidung auf der Sportartikelmesse Ispo
Vorbild Zwiebel: Draußen ist man im Lagen-Look gut eingepackt. © Tobias Hase/dpa/dpa-tmn
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© Tobias Hase/dpa/dpa-tmn
Ein Mann hält ein PFC-frei-Etikett an einer Sportkleidung
Gut für die Umwelt: auf eine möglichst PFAS-freie Herstellung der Outdoor-Klamotten achten.© Tobias Hase/dpa/dpa-tmn
Gut für die Umwelt: auf eine möglichst PFAS-freie Herstellung der Outdoor-Klamotten achten.
© Tobias Hase/dpa/dpa-tmn
Wasch-Programm für Outdoor-Bekleidung
Outdoor-Stücke besser einmal öfter waschen. Denn Schweißrückstände schaden dem Material. © Andrea Warnecke/dpa-tmn
Outdoor-Stücke besser einmal öfter waschen. Denn Schweißrückstände schaden dem Material.
© Andrea Warnecke/dpa-tmn

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