«Infinite Icon»-Doku: Paris Hilton schaut auf ihr Leben
Veröffentlicht: Mittwoch, 28.01.2026 18:04

Popkultur-Ikone
Los Angeles (dpa) - Gleich in den ersten Filmszenen bricht Paris Hilton in Tränen aus. Es ist keine glamouröse Bühne - mit Schirmmütze und Kapuzenpulli steht die Sängerin auf einem Parkplatz und schüttet ihrem Kamerateam ihr Herz aus. «Die Leute sind so kritisch», lamentiert Hilton. Der Druck sei so groß und sie habe Bammel vor dem Konzert. Die neue Doku des Reality-TV-Stars mit dem Titel «Infinite Icon: A Visual Memoir» beginnt im Oktober 2024, zehn Tage vor Hiltons Konzertauftritt im ausverkauften Hollywood Palladium in Los Angeles. Kurz zuvor hatte sie mit ihrem zweiten Album «Infinite Icon» ihr Musik-Comeback gefeiert.
Kein typischer Konzertfilm
Die Doku, die ab dem 30. Januar weltweit in Kinos erscheint, enthält viel Musik, ist aber kein typischer Konzertfilm. Die 44-Jährige schaut darin emotional und offenherzig auf ihr Leben und auf ihre Karriere zurück. Sie sieht den Film als letzten Teil einer Trilogie. 2020 hatte sie in der Youtube-Doku «This is Paris» unter anderem Missbrauchserfahrungen, die sie als Teenager in einer Jugendeinrichtung erlebte, öffentlich gemacht. In ihrer Autobiografie «Paris: Mein Leben» (2023) schrieb sie über den Aufstieg als Millionenerbin und Partygirl, aber auch über Krisen, wie ihre ADHS-Erkrankung und eine schmerzhafte frühere Entscheidung, ein Kind abzutreiben.
Hilton will ihr «wahres Ich» zeigen
«Für diese Doku, den dritten Teil, ist es mir sehr wichtig, dass ich so echt, wahrhaft und verletzlich wie nie zuvor bin», erzählt Hilton im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Diese Offenheit sei für sie sehr heilsam gewesen. Natürlich sei es auch schwierig, sein Innerstes zu offenbaren, aber «ich möchte, dass die Leute mein wahres Ich sehen». Sie hoffe, durch ihre Geschichte anderen zu helfen, sich weniger allein zu fühlen.
Schlagzeilen als It-Girl
Schlagzeilen machte die Urenkelin von Hotel-Magnat Conrad Hilton schon in Teenagerjahren als It-Girl, mit einem Partyleben in Schönheit, Geld und Glamour. Mit TV-Partnerin Nicole Richie drehte sie die Real-Life-Serie «The Simple Life». Für internationales Aufsehen sorgten Anfang der 2000er-Jahre dann Aufnahmen Hiltons beim Sex mit ihrem damaligen Freund Rick Salomon, der diese ohne ihre Einwilligung veröffentlichte.
Unveröffentlichte Heimvideos
Schon als Kind habe sie Musik geliebt und davon geträumt, ein Popstar zu werden, erzählt Hilton in der Doku. Bisher unveröffentlichte Heimvideos zeigen das kleine Mädchen beim Tanzen und Singen. 2006 brachte sie ihr Debütalbum «Paris» mit dem Hit-Song «Stars Are Blind» heraus. Doch als Sängerin sei sie damals nicht ernst genommen worden, klagt Hilton. Im Rampenlicht stand sie als Partygirl. Paparazzi-Videos und riesige Schlagzeilen in Boulevardblättern kommen in der Doku vor.
«Die Medien waren damals sehr boshaft und grausam zu mir und zu anderen jungen Frauen, die in der Presse zu Zielscheiben wurden», sagt Hilton der dpa. «Es war schmerzhaft, ständig missverstanden und verurteilt zu werden.»
Musik als Rettungsanker
In «Infinite Icon: A Visual Memoir» spricht Hilton eindringlich über körperlichen und psychischen Missbrauch in einer privaten Einrichtung für problembehaftete Teenager, dem sie zwei Jahre lang ausgesetzt war. Um das Trauma zu verdrängen, habe sie sich danach in das Club-Leben gestürzt.
«Die Musik hat in vielerlei Hinsicht mein Leben gerettet», erzählt sie der dpa. Beim Tanzen habe sie den Schmerz vergessen können. Und nun möchte sie für Menschen bei ihren Konzerten einen «sicheren Ort» schaffen, wo sich jeder auf seine Art ausleben könne. «Du kannst durch die Hölle gehen und dir doch dein Leben und deine Freude zurückholen», betont Hilton.
Zu ihrem neuen Lebensglück gehörten auch ihr «wunderbarer Ehemann und ihre zwei wunderschönen Babys». Hilton und ihr Mann Carter Reum hatten im November 2021 geheiratet. Sohn Phoenix ist 3, Tochter London zwei Jahre alt. Reum kommt in der Doku liebevoll zu Wort, auch die Kinder sind zu sehen.
Heidi Klum feiert mit
Hilton holt Freundinnen wie Nicole Richie und die Songschreiberin und Sängerin Sia («Chandelier») vor die Kamera. Sia arbeitete als Produzentin an Hiltons zweitem Album «Infinite Icon» mit Songs wie «Bad Bitch Academy (BBA)» und «I'm Free» mit. Auch das deutsche Model Heidi Klum wird von Hilton als «fantastische Freundin» vorgestellt.
Klum feierte vorige Woche bei der Premiere der Doku in Los Angeles mit. Auf Instagram postete sie ein Video aus dem Kinosaal, in dem die hinter ihr sitzende Paris ihr eigenes Lied «ADHD» fröhlich mitsingt. «Love You», schreibt Klum zu dem Posting und dankt Hilton dafür, ihre «beeindruckende Geschichte» mit der Welt zu teilen.
Rolle als Aktivistin
In der zwei Stunden langen Doku setzt sich Hilton als passionierte Sängerin in Szene - sie ist eine Meisterin der Selbstvermarktung - doch jenseits der Bühne tritt das frühere It-Girl vor allem als engagierte Aktivistin auf. Die zweifache Mutter macht sich unter anderem in Washington für strengere Regeln im Kampf gegen Missbrauch in Jugendeinrichtungen stark. Kürzlich warb sie in der US-Hauptstadt zudem für einen Gesetzesentwurf, der Opfern von KI-generierter Pornografie mehr rechtlichen Schutz geben soll.
Filmemacher Bruce Robertson, der bei der Doku Regie führte, räumte im dpa-Interview ein, dass er Hilton vor vielen Jahren lediglich als Party-Girl wahrgenommen habe. «Ich glaube, eines der Dinge über Paris, das am meisten unterschätzt wird, wie hochintelligent sie ist.» Er wollte in dem Film auch ihre «unglaubliche Stärke» zeigen, betont Robertson.
Weitere Musik-Pläne
Bald dürften die Fans noch mehr von Hilton hören. Im vergangenen Jahr habe sie im Studio an ihrem dritten Album gearbeitet, erzählt die Sängerin der dpa. Es sei fast fertig. Nach dem Kinostart der Doku werde sie damit beginnen, eine Welt-Tournee zu planen.


