Kreativität: Warum das Gehirn dafür Langweile braucht
Veröffentlicht: Mittwoch, 28.01.2026 16:05

Gepflegtes Nichtstun
Heidelberg/Berlin (dpa/tmn) - Wann haben Sie sich das letzte Mal richtig gelangweilt und ihren Gedanken dabei freien Lauf gelassen? Fast immer, wenn wir Gelegenheit dazu hätten, greifen wir automatisch zum Smartphone, starten einen Podcast, scrollen auf Social Media oder suchen uns eine neue Aufgabe.
Diese permanente Beschäftigung könne jedoch ihren Preis haben, schreibt die Neurowissenschaftlerin und Buchautorin Friederike Fabritius in ihrem aktuellen Newsletter. Ein Zustand ständiger kognitiver Geschäftigkeit könne auf Dauer unsere Fähigkeit zum kreativen Denken oder zur emotionalen Regulation negativ beeinflussen.
Fabritius erklärt, warum Nichtstun wichtig ist - auch wenn es sich zunächst wie unproduktive Zeit anfühlt: Dadurch sorgen wir dafür, dass unser sogenanntes Default Mode Network (DMN) im Alltag kaum Raum bekommt. Das DMN ist - vereinfacht erklärt - eine Gruppe von Hirnregionen, die aktiv sind, wenn wir keinen konkreten Aufgaben nachgehen – zum Beispiel beim Tagträumen, Nachdenken oder Erinnern.
Den Gedanken im Alltag freien Lauf lassen
Wie Fabritius schreibt, entstünden kreative Aha-Momente oft genau dann, wenn das DMN aktiv ist. Studien deuten darauf hin, dass Menschen kreativer sind, wenn sie vor einer Aufgabe kurzzeitig nichts zu tun hatten. Viele Menschen hätten Langeweile jedoch weitgehend aus ihrem Alltag verbannt, so Fabritius. Wie holt man sie zurück?
Die Neurowissenschaftlerin empfiehlt alltagstaugliche Gelegenheiten:
- beim Pendeln: Kein Podcast, keine Musik, keine Anrufe: Einmal pro Woche sollte man sich vornehmen, auf dem Arbeitsweg allein mit seinen Gedanken zu sein. Das könne sich anfangs unangenehm anfühlen. Das Gehirn brauche Zeit, um sich an das ungewohnte Empfinden anzupassen.
- beim geplanten Nichtstun: Fabritius rät, sich 15 Minuten täglich fürs Nichtstun im Kalender einzutragen. Sie schlägt vor, einfach auf dem Balkon zu sitzen, im Bett zu liegen oder schlicht an die Wand zu starren. Es geht darum, ohne Ziele und Produktivität im Hinterkopf die Gedanken kreisen zu lassen.
- beim Duschen: Warmes Wasser, wiederholte Bewegungen, keine Reize von außen: Wer die Dusche zur handy- und stressfreien Zone macht, schafft Bedingungen, unter denen das Gehirn zur Ruhe kommt und Gedanken frei wandern können. Vielleicht haben Sie auch schon selbst erlebt, dass Ihnen unter der Dusche die besten Ideen kommen.


