Nolte fährt im Männer-Schlitten zu Bob-Gold vor Buckwitz

Olympische Winterspiele 2026
© Robert Michael/dpa

Zweierbob bei Olympia

Cortina d'Ampezzo (dpa) - Der Gold-Fahrt folgte das Bad in der Menge: Bob-Pilotin Laura Nolte hat ihre Nerven diesmal im Griff behalten und ist mit Deborah Levi erneut in den Olymp gerast. Vier Jahre nach dem Überraschungssieg in Peking blieb das Erfolgsduo eiskalt und schaffte im extra umgebauten Männer-Bob den zweiten Olympiasieg im Zweierbob. Im Zielraum wurden die Monobob-Zweite und ihre Anschieberin dafür von den Fans gefeiert, sie hüpften und kreischten vor unbändiger Freude.

«Das war das Ziel. Im Monobob war anfangs das Ziel eine Medaille. Wenn man vorne liegt, will man auch Gold haben - hat nicht geklappt. Aber ich wusste, im Zweier mit Debbie habe ich die Startleistung, die ich brauche. Das ist unsere Paradedisziplin», sagte Nolte in der ARD.

Lisa Buckwitz fuhr mit Neele Schuten zu Silber und holte nach ihrem Sensations-Gold 2018 als Anschieberin von Mariama Jamanka erstmals eine Olympia-Medaille als Pilotin. Dritte wurde die dreimalige Olympiasiegerin Kaillie Armbruster Humphries aus den USA, die mit Jasmine Jones fuhr. 

Kalicki als Vierte «unglaublich zufrieden»

Ex-Weltmeisterin Kim Kalicki kam mit Talea Prepens auf den undankbaren vierten Rang. Auf Bronze fehlten 0,15 Sekunden. Besonders bitter: Schon in Peking vor vier Jahren musste sie sich mit Anschieberin Buckwitz als Vierte die Holzmedaille abholen. «Wir haben unser Bestes gegeben und mehr kann man nicht machen», sagte Kalicki. Wegen mentaler Probleme im Vorfeld sei nicht einmal sicher gewesen, ob sie in Cortina dabei sein kann. «Nach meinem letzten Dreivierteljahr bin ich unglaublich zufrieden und es ist einfach ein Triumph für mich, dass ich hier stehe», sagte sie. Sie wolle mehr auf ihre Psyche achten und das in den Griff bekommen. Offen ist, ob die 28-Jährige ihre Karriere fortsetzt.

Nolte und Levi legten mit Startnummer eins schon zum Auftakt gleich einen Start- und Bahnrekord hin. Doch optimal lief die Fahrt nicht. «Ich hatte den Bügel zum Einklappen nicht schnell genug getroffen und war nicht schnell genug an den Lenkseilen. So habe ich die Kurve eins und die folgenden Kurven ein bisschen verhauen», sagte Nolte. So konterte die 40 Jahre alte Armbruster Humphries prompt mit Bahnrekord.

Im Monobob wurde Nolte noch abgefangen

Im zweiten Lauf lief es besser. So ging Nolte mit 0,18 Sekunden auf Buckwitz in den Finaltag. Auch im dritten Lauf wackelte sie nicht, fuhr erneut Bestzeit und baute die Führung aus. Die routinierte Armbruster Humphries hatte Probleme beim Einstieg und kam somit spät an die Lenkseile, was etwas Zeit kostete. So lag sie vor dem Finallauf 0,54 Sekunden auf Nolte zurück.

Vorsicht war geboten. Denn im Monobob hatte Nolte nach drei von vier Läufen auch geführt und dann Gold um vier Hundertstel gegen Elana Meyers Taylor aus den USA noch verloren.

 

Zuspruch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius 

Das sollte diesmal nicht passieren. Die Sportsoldatinnen Nolte und Buckwitz bekamen viel Zuspruch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der trotz der angespannten Weltlage am Freitag an der Eisbahn war. «Es ist sehr spannend und großartig, dass drei deutsche Bobs vorne liegen. Ein Großteil der Medaillen wird ja von Bundeswehr-Soldaten und -Soldatinnen geholt. Da gehört es sich doch, dass man da auch vorbeischaut», sagte Pistorius, der live miterlebte, wie sich Nolte und Buckwitz im zweiten Lauf an Armbruster Humphries vorbeischoben.

 

Nachtschicht für die Mechaniker

Auch dank der Extra-Arbeit bei den Mechanikern. Nach den Männer-Rennen im Zweierbob war klar, dass auch das US-Material von Ausnahmepilotin Armbruster Humphries exzellent laufen wird. Also musste auch das letzte Hundertstel aus den deutschen Schlitten herausgeholt werden. FES-Projektleiter Bob, Enrico Zinn, ordnete nach Rücksprache mit den deutschen Pilotinnen eine Nachtschicht an, schraubte stundenlang an den Schlitten herum und tauschte nach dpa-Informationen die Frauen-Bobs im Set-up mit den Männer-Schlitten der «211»-Serie um - mit Erfolg. 

OnlyFans sponsert Buckwitz zur Olympia-Medaille

Lisa Buckwitz kann ihre Olympia-Medaille nun auch als neuen Social-Media-Content zeigen. Denn an ihrem Erfolg hatte auch ihr Sponsor OnlyFans Anteil. Immerhin unterstützte die Erotik-Plattform die Bobpilotin mit einer Extra-Summe für Trainingslager, Reisen und Material. «Für mich ist es ein Sponsor, der mir neben der Bundeswehr den Sport ermöglicht. Also was ganz Normales», sagte Buckwitz. 

Das Sexuelle sei «natürlich ein Thema», doch auch wenn sie sich mitunter freizügig mal im Sport-BH, mal im Bikini oder im knallengen geöffneten Bobanzug präsentiert, komplett nackt zeigt sie sich nicht. Fans zahlen dafür 24,99 US-Dollar pro Monat und erwarten eine gewisse Nähe zur Sportlerin. «Eine Belastung ist es nicht, eher was Positives», sagte die 31-Jährige.

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Strahlendes Siegerlächeln: Laura Nolte (r) und Deborah Levi.© Robert Michael/dpa
Strahlendes Siegerlächeln: Laura Nolte (r) und Deborah Levi.
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Laura Nolte (Pilotin) und Anschieberin Deborah Levi (Deutschland) legten im ersten Lauf gleich Start- und Bahnrekord hin. © Robert Michael/dpa
Laura Nolte (Pilotin) und Anschieberin Deborah Levi (Deutschland) legten im ersten Lauf gleich Start- und Bahnrekord hin.
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Der FES-Schlitten bei den Frauen wurde komplett mit Männer-Material ausgestattet. © Robert Michael/dpa
Der FES-Schlitten bei den Frauen wurde komplett mit Männer-Material ausgestattet.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius sah sich an der Bahn Laura Noltes Rennen an.© Robert Michael/dpa
Verteidigungsminister Boris Pistorius sah sich an der Bahn Laura Noltes Rennen an.
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