Weiteres Video zeigt Momente vor Schüssen in Minneapolis

Frau stirbt nach Schüssen eines ICE-Beamten in Minneapolis
© Tom Baker/AP/dpa

USA

Minneapolis (dpa) - Nach dem Tod einer 37-Jährigen bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat Minnesota zeigt ein weiteres Video das Aufeinandertreffen der Frau und des Beamten, kurz bevor dieser tödliche Schüsse auf sie abgab. Es wurde am Freitag von der Webseite «Alpha News» veröffentlicht und später vom Heimatschutzministerium und von Vizepräsident JD Vance geteilt. Aus den Angaben in dem weiterverbreiteten Post geht hervor, dass der Filmende der Beamte ist, der auf die Frau schoss.

«Ich bin nicht sauer»

Zu Beginn des 47 Sekunden langen Clips im Hochformat ist zu hören, wie eine Autotür aufgeht, im Hintergrund: Sirenengeheul gemischt mit Gehupe, Motorengeräusch, Pfiffen aus Trillerpfeifen und Stimmengewirr. Aus Perspektive des Beamten sieht man, wie er um den mitten auf der Straße stehenden Honda der Frau herumgeht, er kommt von der Beifahrerseite. Die 37-Jährige schaut gerade aus dem Fahrerfenster in die entgegengesetzte Richtung auf die Straße. Der Beamte geht weiter, der Wagen setzt langsam zurück. Die Frau hält ihren linken Arm aus dem Fenster und schaut den Beamten an, der näher kommt. «It's fine, Dude. I'm not mad», sagt sie, auf Deutsch etwa: «Ist schon gut, Mann. Ich bin nicht sauer.»

Der Mann geht weiter um das Auto herum, in den Fenstern und im Lack spiegelt er sich: das Handy in der linken Hand, das Gesicht halb verdeckt. Eine andere Frau, die zunächst nicht im Bild ist, fordert ihn auf, sein Gesicht zu zeigen. Als er beim Nummernschild ankommt, sagt sie: «Ist schon okay, wir wechseln unsere Nummernschilder nicht jeden Morgen, nur damit du es weißt.» Dann ist die Frau mit Mütze, Sonnenbrille und orangefarbener Trillerpfeife um den Hals zu sehen, sie hält ebenfalls ein Handy in der Hand. «Es wird dasselbe Nummernschild sein, wenn du später kommst, um mit uns zu sprechen.» Und dann: «Ist in Ordnung. US-Bürger. Verdammter ehemaliger Veteran.» Auf wen sie sich damit bezieht, ist unklar - im Englischen haben diese Substantive kein Geschlecht, es ist also auch offen, ob sie sich auf einen Mann oder eine Frau bezieht.

Beamter sagt nichts

Der Filmende, der auf die Ansprache nicht reagiert, geht weiter, wieder auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs, die Frau mit der Sonnenbrille zwischen ihm und dem stehenden Honda. «Du willst dich mit uns anlegen? Ich sag dir, hol dir was zu essen, großer Junge. Los», sagt die Frau, die US-Medien als die Partnerin der 37-Jährigen identifiziert haben. 

Im Hintergrund geht ein weiterer Beamter auf die Fahrerseite des Autos zu. Eine Männerstimme sagt: «Raus aus dem Auto. Komm raus aus dem verdammten Auto.» Die Frau mit der Sonnenbrille dreht sich vom Filmenden weg zur Beifahrertür und nimmt den Griff in die Hand, die Tür bleibt aber zu. Der filmende Beamte geht an der Frontseite des Hondas entlang, der sich in Bewegung setzt. Zunächst rückwärts, die Räder des Fahrzeugs so gedreht, dass er nach hinten links fährt. 

Dann dreht die Fahrerin das Lenkrad in die entgegengesetzte Richtung, wechselt in den Vorwärtsgang, das Auto fährt los. Plötzlich brüllt ein Mann - aufgrund der Lautstärke offensichtlich der Beamte - etwas wie «Whohoo», im Hintergrund wird auch geschrien. Abrupt zeigt die Kamera in den Himmel, Knallgeräusche sind zu hören, wieder ein Schrei. Kurz danach sagt ein Mann: «Fucking bitch» (Deutsch: verdammte Schlampe). Die Kamera hat sich inzwischen wieder auf die Straße gerichtet, zu sehen ist, wie das Auto sich von der Szene entfernt, bis ein Aufprall zu hören ist.

Was das Video nicht zeigt

Auf dem Video ist nicht zu sehen, wo genau der Beamte steht, als das Auto nach vorne rechts fährt. Auch geht daraus nicht hervor, ob der Honda ihn berührt. Das Heimatschutzministerium und der Vizepräsident führen das Video dennoch als Beleg dafür an, dass der Beamte auf die Fahrerin schoss, weil er in Gefahr war und sich selbst verteidigen musste. Die «New York Times», die andere Videos zur Rekonstruktion des Vorfalls ausgewertet hat, verweist darauf, dass der Beamte auf anderen Aufnahmen links neben dem Wagen zu sehen ist, der nach rechts abdreht - also von ihm weg -, als er schießt.

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