Cornelia Besser (FDP)

Cornelia Besser wurde 1996 in Siegen geboren, lebt in Leverkusen und ist Sales Managerin.

© Freie Demokraten Leverkusen

Sach ma' schnell - das ist unser Highspeed-Kandidatencheck von Radio Leverkusen. Wir stellen euch die Bundestags-Kandidaten der etablierten Parteien vor. Auf den Punkt.

Zehn Fragen, zehn Antworten. Hier könnt ihr euch ein Bild von den politischen Zielen der Leverkusener Bundestags-Kandidaten machen. Wir haben allen Kandidaten einen schriftlichen Fragebogen zugeschickt, die Antworten wurden unverändert übernommen.

1) Ihre Partei

Könnten Sie sich auch vorstellen in einer anderen Partei Mitglied zu sein? Wenn nein: Warum nicht?

Für mich ist die FDP die Partei, die meine Überzeugungen und Werte am besten vertritt. Natürlich setze ich mich mit den Jungen Liberalen an der ein oder anderen Stelle für einen noch fortschrittlicheren Kurs ein als ihn die FDP jetzt schon vertritt, etwa in der Familienpolitik, beim Bürokratieabbau oder bei der Vereinfachung des Steuersystems. Eine andere Partei kommt für mich jedoch nicht in Frage.

2) Politisches Engagement

Wenn Sie nicht in der Politik tätig wären, was würde der Politik dann fehlen? Wo würden Sie sonst heute stehen?

Diversität und der respektvolle Austausch verschiedener Perspektiven ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt guter Politik. Ich bin sicher, dass ich als junge Frau mit deutsch-amerikanischem Hintergrund, die in einem IT-Start-up arbeitet, wertvolle Erfahrungen und Sichtweisen mitbringe, die in der Politik ohnehin schon viel zu häufig fehlen. Meine Generation ist im Bundestag unterrepräsentiert, es sind auch zu wenig Frauen und zu selten Menschen mit Migrationshintergrund vertreten, außerdem fehlt oft auch das Verständnis für junge, digitale Startups und ihre Bedarfe. Ich engagiere mich, um das zu ändern.

3) Leverkusen

Was sind die drei bedeutendsten Eigenschaften, die in Ihren Augen auf Leverkusen zutreffen?

Unter Wert gehandelt, lebenswert, innovativ.

4) Leverkusener Themen

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Themen aus und für Leverkusen, die Sie in Berlin platzieren möchten?

Leverkusen ist ein einzigartiger Forschungs- und Innovationsstandort. Diesen zu erhalten und zu fördern ist vordringliche Aufgabe.

Bei aller Notwendigkeit für Infrastruktur und die gute Anbindung der Stadt an das Verkehrsnetz: Leverkusen ist schon mehr als genug gebeutelt durch die zahlreichen Verkehrsachsen. Wir müssen alles daran setzen, die Versäumnisse der letzten Jahre in Berlin noch auszubügeln: Tunnel statt Stelze und kein Rastplatz an dieser Stelle der A3.

Mehr Mut bei der Digitalisierung: Wie es ist, darf es nicht bleiben. Spätestens mit Corona ist sichtbar geworden, dass die Mühlen der Verwaltung zu langsam mahlen, zu viele Behördengänge noch nicht online möglich sind und auch unsere Schulen digitale Methoden noch besser nutzen können müssen. Dafür brauchen wir ein Digitalministerium in Berlin, das endlich Tempo in die Modernisierung bringt.

5) Prioritäten

Deutschland steht vor immensen Herausforderungen. Wie priorisieren Sie für sich selbst die Themen Klimaschutz, Digitalisierung, Innere Sicherheit, sichere Altersvorsorge und bezahlbarer Wohnraum?

Ich glaube das alle diese Themen lange vernachlässigt wurden und wir in der nächsten Legislaturperiode dringend Reformen in diesen wichtigen Bereichen brauchen. Manche Themen sind miteinander verbunden – durch eine digitalisierungsoffensive können wir neue Ideen beim Klimaschutz entwickeln. Und die technischen Möglichkeiten in Home-Office zu arbeiten kann helfen den Wohnungsmarkt zu entlasten. Trotzdem brauchen wir grundlegende Reformen wie die Einführung einer Aktienrente. 

Keines dieser Themen sollte isoliert betrachtet werden. Dass Klimaschutz eine ganz zentrale Herausforderung ist, ist völlig klar und kann auch nicht ernsthaft bestritten werden. Aber Politik muss in der Lage sein, verschiedene Herausforderungen in Einklang miteinander zu bringen. Klimaschutz und Sicherung unseres Wohlstands und unserer Arbeitsplätze funktionieren gemeinsam, wenn wir die Kraft der Innovation nutzen und mit einem strikten CO2-Deckel die richtigen Anreize setzen.

Für bezahlbare Mietwohnungen brauchen wir ein größeres Angebot an Wohnungen, wir müssen dringend mehr und v.a. schneller bauen, gleichzeitig aber den Flächenverbrauch und damit Umweltschutz im Blick behalten. 

Die Aktienrente nach schwedischem Modell leistet einen wichtigen Beitrag, um junge Menschen zu entlasten und in Zukunft vor Altersarmut zu schützen. Sie einzuführen ist ein wichtiger Beitrag für mehr Generationengerechtigkeit.

6) Deutschland

Wenn Sie alle Entscheidungen alleine fällen könnten: Wie sieht ihr Bild von einem perfekten Deutschland aus? Was tun Sie dafür?

In einem perfekten Deutschland lebt jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder sonstige Merkmale ein freies, selbstbestimmtes Leben mit der Möglichkeit seinen individuellen Lebensweg so zu gestalten, wie er oder sie es möchte und hat die Chance durch Arbeit und Fleiß alles zu erreichen. Dabei unterstützt ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem, das von Anfang an jedes Kind individuell unterstützt, fördert und Bildungschancen gewährleistet. Dafür setzte ich mich hier vor Ort in Deutschland jeden Tag ein – es ist aber ebenso wichtig sich international für diese Rechte einzusetzen. Menschenrechte dürfen nicht verhandelbar sein.

7) Verkehrsproblematik

Leverkusen ist durch seine zentrale Lage, die Autobahnen A1 und A3 sowie den Schienenverkehr arg belastet mit Verkehr, Lärm und Feinstaub. Mit welchen Lösungen möchten Sie diesem Problem auf Bundesebene begegnen?

Ich setzte mich für den unterirdischen Ausbau der A1 ein, um die Lärm- und Feinstaubbelastung der Anwohner so gering wie möglich zu halten. Leverkusen ist durch die bestehenden Autobahnen und den Güterverkehr schon stark belastet, die geplante „Megastelze“ in Küppersteg ist für die ganze Stadt eine unzumutbare Belastung.

8) Klima

Zuletzt hat das Unwetter große Teile der Stadt überflutet. Experten prognostizieren solche Starkregenereignisse für die Zukunft häufiger. Was ist Ihre Idee, um dem Klimawandel zu begegnen?

Wir fordern einen festen CO2-Deckel. Dafür wollen wir den EU-Emissionshandel auf alle Sektoren wie Verkehr und Wohnen ausweiten. Für den CO2-Ausstoß müssen Zertifikate erworben werden, die jährlich weniger und teurer werden. Nur durch die Begrenzung des CO2-Ausstoßes können wir uns sicher sein, dass wir das 1,5 Grad verlässlich erreichen. Zusätzlich wollen wir internationale Anreize schaffen, um Waldökosysteme zu erhalten und auszubauen und setzten uns für eine nachhaltige Meerespolitik ein.

9) Corona

Wie stellen Sie sich das Ende der Pandemie vor? Welche Rahmenbedingungen muss die Politik dafür schaffen? Welche Maßnahmen müssen ergriffen oder aufgehoben werden? Ist eine Impfpflicht notwendig?

COVID19 wird nicht eines Tages „vorbei“ sein. Aber dank der Forschung und Medizin, v.a. durch die steigende Impfquote hat sich das Risiko stark verändert. Die Krankheitsverläufe sind auch bei hoher Inzidenz überwiegend leicht oder sogar symptomfrei. Die Politik muss deshalb jetzt vor allem den Ausstieg aus der Ausnahmesituation gestalten und möglichst viel Normalität zulassen. Gleichzeitig müssen wir Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche, die sich bislang nicht impfen lassen konnten, weiter schützen, ohne ihnen den Zugang zu Veranstaltungen zu verschließen. Eine Impfpflicht lehne ich ab, das ist eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen. Eine 3G-Regel halte ich derzeit noch für den Gesundheitsschutz für unverzichtbar.

10) Gesellschaft

Die gesellschaftliche Spaltung nimmt zu. Debatten werden zunehmend unsachlich. Die Trennung von Meinung und Fakten verschwimmt. Viele stecken in ihrer Filterblase. Wie möchten Sie dieser Herausforderung begegnen?

Ich möchte dieser Herausforderung mit zwei Ansätzen begegnen.

Es ist wichtig sich sachlich der politischen Debatte zu stellen und dabei immer respektvoll miteinander umzugehen. Der politische Diskurs ist essenziell für unsere Demokratie – wir müssen mehr miteinander reden und uns anderen Meinungen stellen. Gleichzeitig hat jeder einzelne von uns auch die Verantwortung, präsentierte Fakten kritisch zu hinterfragen. Mit der Mischung aus bewusstem Zuhören und bewusstem Prüfen von Quellen wäre schon viel erreicht.

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