Karl Lauterbach (SPD)

Karl Lauterbach wurde 1963 in Düren geboren, lebt in Köln und ist Universitätsprofessor. Aktuell sitzt er für die SPD im Bundestag.

© Karl Lauterbach

Sach ma' schnell - das ist unser Highspeed-Kandidatencheck von Radio Leverkusen. Wir stellen euch die Bundestags-Kandidaten der etablierten Parteien vor. Auf den Punkt.

Zehn Fragen, zehn Antworten. Hier könnt ihr euch ein Bild von den politischen Zielen der Leverkusener Bundestags-Kandidaten machen. Wir haben allen Kandidaten einen schriftlichen Fragebogen zugeschickt, die Antworten wurden unverändert übernommen.

1) Ihre Partei

Könnten Sie sich auch vorstellen in einer anderen Partei Mitglied zu sein? Wenn nein: Warum nicht?

Ich bin aus voller Überzeugung Sozialdemokrat. Im Spektrum der anderen Parteien stehe ich den Grünen nahe.

2) Politisches Engagement

Wenn Sie nicht in der Politik tätig wären, was würde der Politik dann fehlen? Wo würden Sie sonst heute stehen?

Was der Politik fehlen würde, müssen andere beurteilen. Wäre ich nicht in die Politik gewechselt, wäre ich wahrscheinlich Hochschullehrer und Forscher geblieben.

3) Leverkusen

Was sind die drei bedeutendsten Eigenschaften, die in Ihren Augen auf Leverkusen zutreffen?

Leverkusen ist leider krisenerprobt, vielseitig, sportlich und innovativ. Eine Stadt mit einem sehr hohen Bildungsniveau und sehr vielen fleißigen Menschen.

4) Leverkusener Themen

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Themen aus und für Leverkusen, die Sie in Berlin platzieren möchten?

Umweltgerechte und gesundheitsschonende Verkehrslösungen, denn Umweltschutz, Verkehrswende und Bekämpfung des Risikofaktors Feinstaub gehören zusammen. Die Anpassung der Städte an den Klimawandel muss durch den Bund unterstützt werden. Speziell hoch verschuldete Kommunen dürfen hier nicht allein gelassen werden. Und nicht nur für eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung muss der Zugang zu einer hochwertigen, vollumfänglichen Gesundheitsversorgung für alle Patientinnen und Patienten immer gewährleistet sein.

5) Prioritäten

Deutschland steht vor immensen Herausforderungen. Wie priorisieren Sie für sich selbst die Themen Klimaschutz, Digitalisierung, Innere Sicherheit, sichere Altersvorsorge und bezahlbarer Wohnraum?

Wir müssen das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens unbedingt einhalten und Solar- und Windenergie schnellstmöglich ausbauen. Diese Herausforderung wird noch immer von vielen unterschätzt. Der politische Prozess muss sehr viel stärker die wissenschaftlichen Erkenntnisse beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Umgestaltung unserer Industrie berücksichtigen. Aber auch andere Themen bleiben wichtig. Dazu zählt die demographische Alterung unserer Bevölkerung, ein stabiles Rentensystem und ein gutes Gesundheitssystem. Es geht also nicht, dass die anderen Themen vernachlässigt werden.

6) Deutschland

Wenn Sie alle Entscheidungen alleine fällen könnten: Wie sieht ihr Bild von einem perfekten Deutschland aus? Was tun Sie dafür?

Das Deutschland, für das ich in Berlin streite, bezieht seine Energie ausschließlich aus erneuerbaren Energien, bietet allen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig vom Einkommen einen gleich guten Zugang zu medizinischer Versorgung und beste Bildungschancen für alle Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern. Darüber hinaus, würde aber gerechter entlohnt und Altersarmut und Kinderarmut wären beseitigt.

7) Verkehrsproblematik

Leverkusen ist durch seine zentrale Lage, die Autobahnen A1 und A3 sowie den Schienenverkehr arg belastet mit Verkehr, Lärm und Feinstaub. Mit welchen Lösungen möchten Sie diesem Problem auf Bundesebene begegnen?

Ich kämpfe weiter gegen die Megastelze und gegen einen LKW-Rastplatz. "Tunnel statt Stelze" bleibt das Motto. Für Leverkusen nur die billigste Lösung und für die Bevölkerung den maximalen Schaden, ist nicht akzeptabel. Nach der Wahl werden die Karten neu gemischt. Leider haben viele Bürger in Leverkusen mittlerweile den Eindruck, dass es sich nicht mehr lohnt für einen Tunnel auf der A1 Strecke zu kämpfen. Dieser Anruf ist falsch. Die Verwaltungsverfahren lassen noch Möglichkeiten für ein Umdenken zu.

8) Klima

Zuletzt hat das Unwetter große Teile der Stadt überflutet. Experten prognostizieren solche Starkregenereignisse für die Zukunft häufiger. Was ist Ihre Idee, um dem Klimawandel zu begegnen?

Wir müssen weltweit dazu kommen, die erneuerbaren Energien für die komplette Energiegewinnung zu nutzen. Das erfordert einen massiven Aufbau neuer Infrastruktur. Mit Windrädern und Solaranlagen alleine ist es nicht getan. Wir brauchen zusätzliche Leitungen für Strom, Stromtrassen, und eine breit verfügbare Batterietechnik. Wenn es uns gelingt, den CO2 Ausstoß auf null zu reduzieren wird nach 20-30 Jahren die Erderwärmung stoppen. Je früher wir in dieses Gleichgewicht kommen desto schneller sind wir in einem Bereich wo wir gefährliche Kipppunkte im Klima noch vermeiden können. Es geht um die Zukunft der Menschheit.

9) Corona

Wie stellen Sie sich das Ende der Pandemie vor? Welche Rahmenbedingungen muss die Politik dafür schaffen? Welche Maßnahmen müssen ergriffen oder aufgehoben werden? Ist eine Impfpflicht notwendig?

Das Ende der Pandemie hängt sehr stark davon ab, ob wir neue Varianten bekommen. Wir werden zunehmend dazu übergehen müssen, mit 2G-Regeln in den Bereichen zu arbeiten, wo das Infektionsrisiko sehr hoch ist. In den Schulen darf es nicht zu einer Corona-Durchseuchung der Kinder kommen. Auch bei Kindern kommt es zu Long-Covid-Symptomen und niemand weiß genau, was die langfristigen Schäden von Covid bei Kindern sind. Überdies ist mit Blick auf den Herbst die Impfquote absolut nicht ausreichend und muss dringend weiter erhöht werden. Tests allein sind keine Alternative. Und es ist unerlässlich, dass wir eine klare Empfehlung für die dritte Impfung seitens der Stiko bekommen. Es muss eine zielgenaue Drittimpfung sein. Wird die Impfung unnötigerweise bei Niedrigrisiko-Vorgeimpften und Jüngeren gemacht, verschwenden wir nicht nur Impfstoff, der in anderen Ländern benötigt würde, sondern haben auch keine zusätzliche Wirkung des Impfstoffes zu erwarten.

10) Gesellschaft

Die gesellschaftliche Spaltung nimmt zu. Debatten werden zunehmend unsachlich. Die Trennung von Meinung und Fakten verschwimmt. Viele stecken in ihrer Filterblase. Wie möchten Sie dieser Herausforderung begegnen?

Eine Vielzahl etwa von Coronaleugnern ist nicht zu überzeugen. Da kann ich ab einem bestimmten Punkt auch mit wissenschaftlicher Argumentation nicht mehr helfen. Mit Bürgern, die schlicht verzweifelt sind, oder auch mit Wissenschaftlern, die andere Meinungen vertreten, bin ich im ständigen Dialog. Auch müssen Medien die Vielfalt der Einschätzungen unbedingt darstellen, andere Meinungen müssen Gehör finden, aber auch eingeordnet werden. Politische Krisenkommunikation muss ehrlich, transparent und wissenschaftlich fundiert sein.

Weitere Meldungen