Jacqueline Blum (Klimaliste)

Jacqueline Blum wurde 1988 in Leverkusen geboren, lebt hier und ist Bürokauffrau.

© Klimaliste Leverkusen

Zehn Fragen, zehn Antworten. Hier könnt ihr euch ein Bild von den politischen Zielen der Leverkusener Bundestags-Kandidaten machen. Wir haben allen Kandidaten einen schriftlichen Fragebogen zugeschickt, die Antworten wurden unverändert übernommen.

1) Ihre Partei

Könnten Sie sich auch vorstellen in einer anderen Partei Mitglied zu sein? Wenn nein: Warum nicht?

Derzeit gehöre ich noch keiner Partei an, sondern trete als Einzelkandidatin an. Allerdings werde ich dabei von der neu gegründeten Klimaliste Deutschland unterstützt.

Seit einigen Monaten engagiere ich mich bei der Klimaliste NRW und der Klimaliste Leverkusen, dort fühle ich mich so gut aufgehoben, dass ich mir nicht vorstellen kann woanders aktiv zu sein.

2) Politisches Engagement

Wenn Sie nicht in der Politik tätig wären, was würde der Politik dann fehlen? Wo würden Sie sonst heute stehen?

Da ich mit der aktuellen Regierungspolitik in Deutschland äußerst unzufrieden bin, habe ich beschlossen mich der Klimaliste anzuschließen und selbst politisch aktiv zu werden. Wir sind mit dem Pariser Klimaabkommen eine Verpflichtung eingegangen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5°C zu begrenzen, jedoch deutlich unter 2°C! Eine riesige Anzahl von Menschen geht schon so lange regelmäßig auf die Straße, um für den Erhalt unserer Lebensgrundlage - auch für zukünftige Generationen - zu kämpfen. Selbst das Bundesverfassungsgericht hat unsere Regierung zur Nachbesserung verurteilt. Dennoch bleibt das Gefühl, dass die Bundesregierung die Sorgen und Ängste von uns Bürgern lediglich als Randnotiz wahrnimmt.

Ich bin wütend, verunsichert und fühle mich - wie viele andere - von unserer Regierung im Stich gelassen. Mein Streben, in die Politik zu gehen, ist daher reine Notwehr!

Unsere Politik muss endlich transparent, sozial gerecht und bürgernah sein.

3) Leverkusen

Was sind die drei bedeutendsten Eigenschaften, die in Ihren Augen auf Leverkusen zutreffen?

Wir Leverkusener Bürger sind überaus hilfsbereit, wie man zuletzt bei den Starkregenfällen, die zur Hochwasserkatastrophe geführt haben, deutlich gesehen hat.

Unsere Stadt selbst ist ruhig, fast schon verschlafen und hat meiner Meinung nach einen eher dörflichen Charakter, vor allem im Vergleich zu den angrenzenden Städten Köln und Düsseldorf.

Die Stadtverwaltung zeichnet sich unter anderem durch Ihre Loyalität gegenüber der Chemiewirtschaft aus. Ganz egal, wie sehr wir Bürger in der Vergangenheit gefährdet wurden oder auch noch heute werden, man erarbeitet stets einen Lösungsweg, der auch die Bedürfnisse der Chemiekonzerne berücksichtigt.

4) Leverkusener Themen

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Themen aus und für Leverkusen, die Sie in Berlin platzieren möchten?

Definitiv den Stopp des Autobahnausbaus, insbesondere der A3 und der A1. Beide Autobahnen führen mitten durch Leverkusen, wodurch wir Bürger bereits jetzt erheblichem Feinstaub und Lärm ausgesetzt sind. Dieses Bauvorhaben halte ich für fahrlässig und in keiner Weise zeitgemäß. Das Bekennen des Bundes zu den Klimazielen, bei gleichzeitigem Aus- & Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen steht im Konflikt zueinander.

Alte Bahnschienen, auch auf Firmengeländen, müssen wieder an das Zugnetz angeschlossen werden, um unsere Straßen zu entlasten. Individualverkehr darf nicht länger rentabler sein als der ÖP(N)V.

Unsere Politik muss transparent werden. Dafür brauchen wir unbedingt ein Lobbyregister. Durch ein öffentlich einsehbares Lobbyregister würden etwaige, einseitige Informationsflüsse offengelegt und ebenso einseitige Entscheidungen verhindert werden können.

5) Prioritäten

Deutschland steht vor immensen Herausforderungen. Wie priorisieren Sie für sich selbst die Themen Klimaschutz, Digitalisierung, Innere Sicherheit, sichere Altersvorsorge und bezahlbarer Wohnraum?

Alles wichtige Themen. Allerdings muss der Klimaschutz, gerade im Hinblick auf den neusten IPCC-Bericht die höchste Priorität haben. Wenn wir einen schnellen Wandel zur Klimaneutralität nicht hinbekommen, werden wir kaum Möglichkeiten haben, uns angemessen um den Rest zu kümmern. Wir werden dann leider vor ganz anderen Problemen, wie der adäquaten Versorgung der Bevölkerung mit Wasser und Nahrung, stehen. Von Flüchtlingsströmen und drohenden Konflikten mal ganz abgesehen.

Wenn unsere Ökosysteme kippen, dann ist das nicht mehr rückgängig zu machen! Wir werden dann eine völlig veränderte Lebensgrundlage für die zukünftigen Generationen haben. Derzeit liegen wir in Deutschland bei +1,6°C Temperaturanstieg. Die verheerenden Folgen haben wir zuletzt im Juli 2021, durch die Hochwasserkatastrophe, gespürt. Schon jetzt ist klar, dass die Folgekosten der Klimakrise weitaus höher ausfallen werden als die Kosten für sofortiges Gegensteuern.

Parallel zum Klimaschutz, muss selbstverständlich bezahlbarer Wohnraum sichergestellt werden. Unsere Bauflächen, gerade in den Städten, sind mittlerweile begrenzt und es dürfen meiner Meinung nach auch kein neues Bauland mehr ausgewiesen werden, wenn wir uns vor Extremwetterereignissen schützen wollen. Warum also genehmigen Kommunen noch den Bau von Einfamilienhäusern in Städten? Das verknappt nur weiter den Wohnraum, versiegelt Flächen und ist in keiner Weise mehr vertretbar.

6) Deutschland

Wenn Sie alle Entscheidungen alleine fällen könnten: Wie sieht ihr Bild von einem perfekten Deutschland aus? Was tun Sie dafür?

Das perfekte Deutschland gibt es nicht und ich bin auch kein Freund davon nach Perfektion zu streben. Jeder Mensch ist ein Individuum und das ist auch gut so. Gerade der Mix macht das Leben doch erst so richtig interessant. Ich würde ein Deutschland, indem wieder mehr im Einklang mit der Natur gelebt wird großartig finden. Ich sehe zusammenhängende Wälder, die nicht bewirtschaftet werden – echte Wildnis! Ich sehe die 100%ige Klimaneutralität, da u. a. zahlreiche Windräder und Solaranlagen auf den Dächern für unsere Stromversorgung sorgen. Ich sehe weniger Autoverkehr, weil unser ÖP(N)V so attraktiv gestaltet wurde, dass für viele Personen kein Auto mehr notwendig ist. Ich sehe Fahrradfahrende und Fußgänger*innen, da wir den Verkehrsraum neugestalten konnten. Ich sehe mehr Grün in den Städten, weil auf entsiegelten bzw. gar nicht erst versiegelten Flächen z. B. Parks entstehen konnten. Ich sehe Dachbegrünung, weil man erkannt hat, dass diese zur spürbaren Reduktion von Hitze beiträgt und bei Regen als „Schwamm“ funktioniert. Ich sehe eine gesteigerte Lebensqualität für uns alle.

7) Verkehrsproblematik

Leverkusen ist durch seine zentrale Lage, die Autobahnen A1 und A3 sowie den Schienenverkehr arg belastet mit Verkehr, Lärm und Feinstaub. Mit welchen Lösungen möchten Sie diesem Problem auf Bundesebene begegnen?

Vor allem, indem man endlich einsieht, dass der weitere Ausbau von Autobahnen, angesichts des letzten IPCC Berichts, völlig sinnfrei ist. Wie kann man denn ernsthaft die Frechheit besitzen, an Bauvorhaben wie der A1/ A3 festzuhalten, wenn wir alle wissen, dass unverzügliches Handeln nötig ist, um die Erderwärmung noch zu begrenzen. Anstatt Steuergelder weiter in klimaschädliches Handeln zu stecken, sollten diese Gelder sofort für die Neugestaltung unseres Verkehrsraums genutzt werden. Wenn wir zusätzlich einfach alle klimaschädlichen Subventionen im Verkehrssektor stoppen würden, wäre eine ziemliche Menge Geld da, um die Transformation, die wir dringend benötigen, zu bezahlen.

8) Klima

Zuletzt hat das Unwetter große Teile der Stadt überflutet. Experten prognostizieren solche Starkregenereignisse für die Zukunft häufiger. Was ist Ihre Idee, um dem Klimawandel zu begegnen?

Zunächst muss Leverkusen alle geplanten Baumaßnahmen, die eine Neuversiegelung von Flächen zur Folge haben, neu prüfen. Das hätte nach dem – offenbar symbolischen – Ausrufen des Klimanotstandes bereits erfolgen können. Spätestens seit dem Hochwasser ist eine weitere Versiegelung von Flächen meiner Ansicht nach grob fahrlässig. Wo soll das Wasser denn hin, wenn es keinen offenen Boden mehr gibt, wo es versickern kann?! Wir alle haben erlebt, dass unsere Kanalisation vollkommen überfordert war.

Um eine Klimakatastrophe zu verhindern, müssen wir sofort die höchste Priorität auf die Energiewende legen, da vor allem Kohle in Deutschland am meisten CO2 emittiert. Wir brauchen einen massiven Ausbau von Windrad- und Photovoltaikanlagen, um die Kohleverstromung hinter uns zu lassen. Außerdem benötigen wir eine angemessene CO2-Bepreisung, um den Anreiz zu schaffen, klimafreundlich zu handeln.

9) Corona

Wie stellen Sie sich das Ende der Pandemie vor? Welche Rahmenbedingungen muss die Politik dafür schaffen? Welche Maßnahmen müssen ergriffen oder aufgehoben werden? Ist eine Impfpflicht notwendig?

Laut RKI befinden wir uns derzeit in einer Übergangsphase von einem pandemischen in ein endemisches Geschehen. Es ist daher sinnvoll die Basismaßnahmen (AHA+A+L) weiterhin einzuhalten. Unsere Regierungspolitiker müssen des Weiteren schneller auf unsere Wissenschaftler*innen hören, um eine unkontrollierbare Situation, die zu weiteren Schließungen von z. B. Kitas, Schulen, Gastronomie, etc. führt und somit unser Leben, wieder einmal, stark beeinflusst, zu verhindern. Die Inzidenz kann und darf allerdings nicht länger der alleinige Faktor sein, da auch geimpfte Personen erkranken können – in der Regel aber keinen schweren Verlauf haben. Auch wenn die Impfung uns vor schweren Verläufen schützt, halte ich eine Impfplicht für nicht richtig, da diese zu stark in das Individualrecht eingreifen würde. Gute, leicht verständliche und ausführliche Aufklärungsarbeit – ohne Druck – halte ich hier für das sinnvollste Mittel.

10) Gesellschaft

Die gesellschaftliche Spaltung nimmt zu. Debatten werden zunehmend unsachlich. Die Trennung von Meinung und Fakten verschwimmt. Viele stecken in ihrer Filterblase. Wie möchten Sie dieser Herausforderung begegnen?

Die Nutzung von Social Media hat unseren Medienkonsum und –umgang grundlegend verändert. Über alles, was geschieht, kann sofort berichtet werden. Recherchearbeit kostet Zeit. Zeit die man kaum hat, wenn man nicht den Anschluss verlieren möchte. Auch die Plattformen, auf denen wir unsere Meinungen anonym mitteilen können, sind zahlreich. Frühzeitige, umfangreiche

Aufklärung im Unterricht ist daher unumgänglich. Schüler*innen sollten darüber informiert werden und lernen, dass z. B. ihr Suchverhalten – durch Algorithmen – dazu führt, dass sie sich irgendwann in einer persönlichen Informations- bzw. Filterblase befinden. Es muss schon in der Schule Diskussions- und Argumentationsaufgaben geben, die die Schüler dazu auffordern sich mit unterschiedlichsten Sichtweisen sachlich auseinanderzusetzen.

Aussagen sollten immer kritisch hinterfragt werden. Dafür muss man aber wissen „wie“. Es muss, gerade auch für seriöse Medien, die Regel werden Quellen zu benennen, damit die Leser*innen bzw. Zuschauer*innen den Beitrag überprüfen können und somit das Vertrauen in die Medien wieder gestärkt wird.

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